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juergens-frankfurt.jpg

Jahr: 1950-1960
Bemerkung:
ArtikelNr. 9969

 

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Frankfurt am Main ca. 1950-1960, Fotos, Texte und Dokumente aus Nachlass.

Ca. 20 Kilo Archivalien zu Frankfurt, aus dem Nachlass des Jürgen B.; dieser kam 1935 in Potsdam zur Welt und zog 1950 mit den Eltern nach Frankfurt, er besuchte die Wöhlerschule und lebte lange in der Johanna-Kirchner-str. 69. 1956 machte er sein Abitur und begann noch im selben Jahr eine Lehre als Werbekaufmann in der Frankfurter Werbeagentur McCann. Dort blieb er sicher bis 1965. Jürgens Vater war ab ca. 1930 Vertreter für Kranseder-Photographica („Kranzeder & Cie. Trockenplattenfabrik, München“, „Kranz-Platten“, „Kranz-Filme“).

Enthalten sind hier zahlreiche Texte aus der Feder des jungen Mannes. Jürgen war ein talentierter Autor, es gelang ihm bereits in jungen Jahren, kleine Artikel in namhaften Tageszeitungen unterzubringen (später sollte er sein Geld als Werbetexter verdienen). In dem Konvolut sind Texte und Photographien ca. 1950-1960, sowie zahlreiche Druckwerke zum Kulturleben der Zeit enthalten. Es geht um Frankfurt am Main.

- Memorabilia: originaler Schulranzen des Jürgen / 2x Frankfurter Stadtschülerring Eintrittskarte zum Großen Ball im Palmengarten 18.5.1955 / 2x Eintrittskarte Faschingsball ebda. 20.2.1955 / Reisepass 1956-1968 / Schreiber’s Weinkistchen, Openplatz 6, Werbezettel 1951 (verso latein. Verben) / Plakat zu 2 Theateraufführungen der Frankfurter Schülerbühne 1957, Karten im Goethe-Gymnasium / s-w-Abzug 18x24cm Beate Hasenau um 1956 / Umschlag mit ca. 10 Fotos zu Proben 1957, mit Beate Hasenau / Fotopost 3 1957, hier auf S. 147 das abgedruckte Foto (welches auch als Positiv im Unschlag enthalten ist) einer Theaterprobe mit Beate H.) / Star Revue 22 1956, komplette Zeitschrift, S. 11 mit Portrait und Kurztext Beate H. / 4x Kleinplakat 1957 für private Aufführung bzw. Tonbandaufnahmen für die „Gebenden Hände“, Protagonist wirkt mit, ebenso Beate Hasenau, dabei auch Manuskripte (1x Sartre, Die geschlossenen Türen, 1x Curt Goeth, Tobby, 1x böse Kritik zu Borchert, Draussen vor der Tür, aus Abendpost / Frankfurter Schülerbühne, diverse Stückzettel (ua Urfaust) und Kritiken aus Zeitungen / Jugend im Rampenlicht, Frankfurter Laienspieltage 1956, Eintrittskarten und Stückzettel / Kritik zu Aufführung wie vor, Neue Presse 29.11.1956 / Manuskript Menagerie von Curt Goetz / Kritiken zu Stücken der Gebenden Hände / Feind im Blut, mit Beate Hasenau, Das Neue Filmprogramm, inliegend Vertrag des Protagonisten mit der Sonderfilm aus FFM und 2 Freikarten der Kaiser Lichtspiele und einem Blatt mit Text.

- Notiz/Tagebücher, mit etlichen Eintragungen zu Ereignissen, Kino- und Theaterbesuche, Treffen mit Freundinnen und Freunden etcpp: 1952, 1953, 1954, 1955, 1956, 1957, 1958 / Buch mit Zitaten, handschr. Notizbuch mit wenigen A-Z-Eintragungen / ausführliche Tagebücher: Tagebuch 8.7.1954-24.11.1954, Tagebuch 25.11.1954-18.7.1955 (beiliegend Gruppenfoto wohl Tanzkurs).

- bemerkenswerte Texte (für die Schülerzeitung?, für Tageszeitungen, privat): Handschr. Text zum Vortrag Thornton Wilder am 17.9.1954 in der Aula der Universität (für Schülerzeitung?) / „Erinnerungen“ an Schulzeit, ca. 6 Blatt / Kladde mit Gedichten und Feuilletons, auch erotischen Inhalts, bis ca. 1960 (Die Kunst, seine Freundin loszuwerden, Wie werde ich Playboy, Als wir uns zum erstenmal sahen und danach (Text einer Frau, mit der B. eine Beziehung hatte, um 1962, beschrieben auch eine gemeinsame Reise nach Holland und Liebesnächte!), 2 Einladungen zu Parties eines Freundes, 1963) / Ledermappe mit Gedichten und Feuilletons, auch erotischen Inhalts, ca. 1955-1960 (Das Ende des Wirtschaftswunders (der Text wurde in Zeitung abgedruckt), Partyeinladung 1959 (Gammelklamotten gewollt), Ich bin der Lude von der dritten Querstraße, Exposé (?) zu einem Roman (?, Thema Judenverfolgung im Dritten Reich) / Mappe mit Zeitungsartikeln des Jürgen, Anzug frisch vom Bügel 13.12.1955, Ich geh so gern ins Kino (Neue Presse, komplette Zeitung 28.1.1958), Im Espresso (Ostern 1958), Der Zorn über den Zorn der Jungen (Leserbrief Frankfurter Neue Presse, komplett 3.5.1958), Teenager-Party (Frankfurter Neue Presse, komplett 21.4.1960), Wo Rockefellers Dollars rollen (Berliner Zeitung 19.1.1956), Plädoyer für Bob / Kladde mit Textfragmenten, teils handschr., teils maschschr. (ca. 1955) / Leinwandmappe mit Texten für Zeitungen (Frankfurter, aber auch Berliner Morgenpost, Braunschweigische Zeitung, Welt am Sonntag etc.) u. Radio, Briefen an Zeitungen, Briefen von Zeitungen etc., ab 1955: Teenager-Party, Gespräch auf dem hinteren Schulhof, Abrechnungszettel der Zeitung 1955-1960, Gestern war ich auf einem Kostümfest, Ästhetik in der Strassenbahn, Meine Freundin heißt Elisabeth, Die Kunst eine Frau kennenzulernen, Eine Schönheitskonkurrenz, Bob der Existenzialist, Wie man ein Star wird, Kritik von Theateraufführung / Mappe mit maschschr. Gedichten, vorne ein Anschreiben an Frankfurter Neue Presse, dat. 22.9.1958 / Mappe mit Kritiken zu Filmen (nur Kürzel, aber sicher ebenso mit Jürgen) und anderem Diversen (Abendpost 12.7.1957 komplett, Text zu Foto der Schauspielerin Beate Hasenau.

- Zeitungsartikel: „Der Tanz der jungen Leute“ ... wo kann man in Frankfurt tanzen gehen 1954 / Rémond-Premiere im Intimen Theater / 534 nach Abitur 1956 / zahlreiche Zeitungsseiten mit Texten des „Leberecht“ und zu Frankfurter Themen / komplette „Frankfurter Nachtausgabe“ vom 3.11.1957 (4 Seiten, Schlagzeile „Russen schossen neuen Sputnik in den Weltraum, Sensation, Hund an Bord“). Komplette Tageszeitungen: Frankfurter Neue Presse, General Anzeiger 22.11.1955 / 13.12.1955 / Ostern 1958 / 9.5.1958 / 18.9.1958 / 12.1.1959 /14.-15.2.1959 / 21.-22.2.1959 / 21.4.1960. FAZ 14.2.1959. Frankfurter Rundschau 14.-15.2.1959.

- Schule, Wöhlerschule: Ledermappe mit handschr. Texten, Prüfungsdrucken etc. / ausgeschn. Todesanzeige1974 für Josef Müller, Leiter der Wöhlerschule 1950 bis 1971 / Anschriftenliste des Abitur-Jahrgangs 1956 / Wöhlerhefte 1, 2, 8, 10, 11, 12, 14, 16, 17, 18 / 17x „Wir, Schülerzeitung des Wöhlerrealgymnasiums“ 1953-1956 / 2 Hefte mit Zeichnungen und Typographie-Übungen (aus der früheren Schule des Protagonisten).

- Briefe. Darunter kurioser maschinenschriftlicher Brief des Dr. med. Hans L. an den Protagonisten, 20.3.1956: „Meine Tochter Ilse hat heute ohne mein Wissen ... unser Haus verlassen und ist erst nach ½ 12 Uhr wieder zurückgekommen. ... Solange sie noch in meinem Hause wohnt, insbes. wo sie erst 17 Jahre alt ist, trage ich die Verantwortung... Sie hat von mir bis Ostern Hausarrest bekommen und ich bitte Sie, sie in der Zeit weder anzurufen noch zu besuchen. ....“

- Akte 1958-1960, Schriftwechsel (eigene Schreiben in Durchschlägen, ankommende im Original): Bankauszüge etc., so mit Auto Motor Sport / Bayern-Film / McCann Werbeagentur / Suchard Schokoladenwerke / Finanzamt / Carl Hanser Verlag (rückgesendete Gedichtmanuskripte 1959) / Kurverwaltung Bad Homburg (Beschwerde des Prot. Gegen einen Parkwächter 1959) / Versicherungen / Prozess wegen Autounfall 1960 / Freunden / Der Spiegel / diverse Werbetexte (die der Prot. selbständig und auf eigene Rechnung erstellte) / etc.

- 14 Rechnungen 1950-1954 (meist 1950 bzgl. Wohnungseinrichtung).

- Volkslexikon, überreicht durch die Frankfurter Neue Presse, in mühseliger Kleinarbeit der Zeitung entnommen, um 1950, ca. 1000 Seiten, gelochte Blatt, Klammerbindung, am Ende einige Blatt lose und falzig, sonst gut.

- Metallschachtel mit Memorabilia: Muscheln, Würfel, englische, schweizerische, österreichische Münzen um 1948-1955, Bahnsteigkarte Frankfurt HBF, 4 Gewichtskarten von öfftl. Waagen 1957-1958.

- Theaterkultur, Stückhefte: Wiedereröffnung Kleines Theater im Zoo, Fritz-Rémond-Bühnen (Sept. 1956, ca. 15 st.) / Kleines Theater am Zoo, 10 Stückhefte, meist mit inliegender aus der „Neuen Presse“ herausgerissenen Kritik des Stückes, meist mit Werbe-Lesezeichen. 1956-1957 Heft 1 / 1957 2, 3, 4, 4, 5, 6, 7 / 1957-1958 3, 4 //// Städtische Bühnen Frankfurt am Main, 39 Stückhefte Schauspiel, vereinzelt Oper und , auch hier liegen Kritiken und Werbe-Lesezeichen meist bei, oft auch die Eintrittskarten. 1951-52 8 / 1952-53 2, 12, 18 / 1953-54 1, 1, 6, 15, 17 / 1954-55 2, 2, 3, 4, 9, 10, 12 / 1955-56 1, 2, 3, 4, 5, 5, , 7, 8, 8, 9, Sonderheft / 1957-58 6, 12 / 1958-59 1 / 1959-60 5 / 1961-62 1, 10, Sonderheft / 1964 1 / 1971 /// diverse Stückhefte 1950er, Inhalt wie vor: 4x Theater am Rossmarkt / Landesbühne Rhein-Main / ca. 4x Neue Bühne / Die Schmiere / Special Services der amerikanischen Armee Northern Area Command mit Amerika-Haus / Studiobühne der Johann-Wolfgang-Goethe Universität / Das kleine Frankfurter Resistenztheater / TAT Theater am Turm / ca. 6x Frankfurter Schülerbühne (1x mit zahlreichen Unterschriften auf einem Blatt, in der Inszenierung hatte der Protagonist mitgewirkt) / HR / ca. 3x Theater am Rossmarkt / Neue Bühne Universität Frankfurt / Amerika Haus, Studentenhaus / Realgymnasium Musterschule 1956 / Cabaret Voli Geiler Walter Morath.

– Reitturnier, Reitverein: Mappe mit eingelegten Programmen, Eintrittskarten, Negativen etc., Thema Reitsport in Frankfurt 1955-1960: Reitturnier Festhalle Frankfurt, Programm 1956 / dito 1960 / Frankfurter Reit- und FahrClub, Clubnachrichten 1962, 1963, 1965 / Reitergruppe Wiesbaden eV, 7. Schlosspark-Turnier August 1964 / Negative Reitturnier, Autorennen, London / Eintrittskarten Festhalle 1956 / handschr. Scherzkarte der Inge: „Hätt er mir doch mein Herz gebrochen, statt seine doofen Schulterknochen“.

- Photographien: Taschen mit ca. 80 Negativen à 6x6cm bzw. 6x9cm, gezeigt ist um 1951 der VW des Vaters des Protagonisten. Dazu ua Bilder des zerschossenen Frankfurt (Speisegaststätte Steinernes Haus, Marktplatz), von einer Kranz-Werbeaktion anlässlich eines Volks- oder Sportfestes / kleines Photoalbum, montiert Bilder von Jürgen`s Freundin um 1960 und lose eingelegt von anderen hübschen jungen Frauen / Tasche mit ca. 50 s-w-Abzügen, gezeigt Schüler und Lehrer der Wöhlerschule (2x wohl anl. einer „Bücherverbrennung“ wegen Abiturs), Faschingsfest., wohl Personal von McCann / Bilder von Theaterproben mit Brigitte Hasenau (s.o.) / 3 Farbdias um 1950.

Am Ende 2 Zitate aus Texten des Protagonisten:
Gestern war ich auf einem Kostümfest (März 1956): „Es war sehr voll, sehr bunt und sehr warm. .. Es gab einen ‚Negerkral‘, einen ‚Himmel‘ und eine ‚Hölle‘. Auf der Treppe traf ich meinen Freund Werner. In seiner Begleitung befand sich eine unsagbare zauberhafte Ägypterin, die mein Herz höher schlagen ließ. Werner vertraute sie mir an, da er ein Rendezvous in der ‚Hölle‘ hatte. Ich führte sie zum ‚Himmel‘ und sagte, sie sei sicher Potiphars Weib, und ob ich nicht ihr Josef sein dürfe. Leider aber war sie nicht bibelfest und verstand meine Geistreichelei somit nicht. Beim Tanzen bemängelte sie ohne falsche Scham meine Art, Boogie zu tanzen. Die Herren an Pharaos Hof tanzten alle viel besser als ich. Das betrübt mich tief, denn sie war wirklich ganz süß. Bei einem Cola versuchte ich, die Rede auf die Liebe zu bringen....“
Teenager-Party (um 1960): „Eine Teenager-Party ist eine Veranstaltung, die von Jugendlichen durchgeführt wird. .. Die ergehenden Einladungen sind sehr modern – das heißt alle Anfangsbuchstaben werden klein geschrieben. Das sieht dann ungefähr so aus: hallo leute! montag 12. mai große party bei rolf, wolfgangstraße 219, beginn 08:00 Uhr, jazz platten und was zu trinken mitbringen. Die Party besteht eigentlich nur aus rocken and rollen und trinken. Später wird dann noch geknutscht. Zunächst läuft der Plattenspieler ziemlich laut – später, wenn die Beleuchtung gedämpfter ist, triefen träge Blues aus dem Trichter. Die Sentimental-Phase der Party wird durch aufkeimenden Hunger der Beteiligten unterbrochen. Die Gammler (Teilnehmer der Party) fallen in die Küche ein und plündern trotz heftiger Gegenwehr des Gastgebers den Kühlschrank. ......“



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