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Jahr: |
1916 |
Bemerkung: |
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ArtikelNr. |
5489 |
E-Mail
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Markirch / Ste-Marie-aux-Mines, 1915-1916. Gedrucktes Fotoalbum Bayerisches Brigade-Ersatzbataillon
Privatdruck, gedrucktes Photoalbum, quer 4°, kartoniert, Kordelbindung, ca. 16 Blatt mit ca. 142 eingedruckten s-w-Bildern differenter Formate (zumeist von ca. 4x6cm bis 8x11cm). Berieben und fleckig, mittige Falz, ein Teil der Kordel fehlt, sonst guter Zustand. Auf Einbanddeckel vorne innen montiert eine s-w-Postkarte (gelaufen 6.8.1915) und ein handschriftliches Gedicht (dat. 25.6.1915), je verfasst von Major Karl Bauer. Das letzte Blatt recte mit einem montierten handschriftlichen Gedicht des Bauer (datiert 2.2.1916) sowie 2 ausgeschnittenen Zeitungsartikeln zu ihm (einmal von 24.5.1927).
Enthalten sind Bilder, die die Stellungskämpfe ungenannter deutscher Truppen an ungenanntem Ort in den Vogesen illustrieren. Die Titelei verweist auf „St. Kreuz“, französisch „Ste.-Croix-aux.-Mines“, ein Städtchen nahe Ste.-Marie-aux-Mines (deutsch Markirch). Beide Gemeinden waren bis 1918 deutsch, Markirch lag direkt an der Grenze zu Frankreich.
Das Buch wurde von jenem Major Bauer zusammengestellt. Auf der Titelei heisst es gedruckt (und etwas unverständlich) „Feuertaufe des Bataillons, St. Kreuz, den 20.-21.August 1914“. Erläuternd steht darunter, von Hand geschrieben: „Zusammengestellt von H. Major Bauer“, sowie „gest. Februar 1926“.
Vorliegender Titel wurde wohl 1916 von Kompilator Bauer an einen Freund verschenkt. Jener Freund bereicherte das Buch um handschriftliche Beigaben und vermerkte auf der Titelseite neben dem oben zitierten Sätzen noch: „Erinnerung an Herrn Major Karl Bauer, April 1916“.
Der vorderer Einbanddeckel datiert das Album auf 1916, denn dort heisst es „Kriegserinnerungen 1914-1916“. Da das Album von der Truppe im Kriege angefertigt wurde, oblagen die Bilder der Geheimhaltung. Im Titel wird lediglich auf ein Bataillon verwiesen. Einen weiteren Hinweis liefert die montierte Postkarte, da sie verso den Poststempel der 39. Reserve-Division trägt. Andere Details liefert das Buch selber:
Gezeigte Grabsteine verweisen auf bayerische Truppen, einmal auf das 1. bayerische Ersatz Infanterie Regiment.
So lässt sich sicher schließen, daß Bauer der 1. Königlich Bayerischen Ersatz-Infanterie-Brigade angehörte, welche ab 4.4.1915 der 39. Königlich Bayerischen Reserve-Division zugeteilt wurde. Zur Brigade gehörten die Königlich Bayerischen Brigade-Ersatzbataillone 1, 2, 3 und 4. In welcher dieser Truppen Bauer diente, bleibt unklar. Sicher ist jedoch, daß die Brigade bis 1916 bei Markirch eingesetzt war: Im ca. 3km nördlich Markirch gelegenen Bois Chêna nahe Wisembach steht noch heute ein 1915 von der 5. Kompanie des 2. Bayerischen Brigade Ersatz Bataillons errichtetes Denkmal. In Bertrimoutier, in der damaligen französischen Etappe (ca. 15km nördlich von Markirch) befindet sich ein deutscher Soldatenfriedhof. Hier liegt ein 1915 gefallener Angehöriger der 9. Kompanie des 1. Bayerischen Brigade Ersatz Bataillons.
Auch wenn unklar ist, welches Bataillon nun genau gemeint ist, können die Fotos ungefähr lokalisiert werden. Gezeigt sind die nördlich von Markirch entstandenen Stellungen (um Wisembach, Bois du Chena, Lusse) sowie Örtlichkeiten der deutschen Etappe.
Jede Seite ist einem Thema gewidmet und gedruckt betitelt. Die Bilder zeigen (Seitentitel in Zitat): Ansicht von St.Croix, „unsere Höheren Führer“ (Offiziere wohl der Brigade), „Die Offiziere des Bataillons“ (einmal Major Bauer, worauf handschriftlich hingewisen wird), Stellungsbau, „geselliges Leben im Schützengraben“, Drahtverhau, Laufgräben, „Wohnunterstände“, „Inneres von Unterständen“, „Altes und Neues Stabs Blockhaus“, „Umgebung des Stabs Quartiers“, „Feldgottesdienst an der Waldkapelle“ (darunter auch ein Abdruck jenes Bildes, das vorne auf der Postkarte gezeigt ist), Grabsteine, Truppen bei Post- und Lebenmisttelbeföderung, Leben im Graben, „Feld-Viehzucht“, Fuhrwerke, „Feuerstellung“ im Graben, Beerdigung, zerstörte Häuser, Waldlager, „Vogesen-Frühling“, Soldaten bei Körperpflege, „Marketenderei“, Gefangene, „Nahkampf-Mittel“, „nächtliche Kriegsbilder“, „Kaiser und König in den Vogesen“.
Ein hinten montierter Zeitungsartikel verweist auf den „Karl-Bauer-Abend“, zu welchem die „Gesellige Bürgerzunft Altmonachia“ am 24.5.1927 einlädt. Gelesen wird aus dem Gesamtwerk des Heimatdichters Bauer (der es im Kriege bis zum Oberstleutnant gebracht hatte). Sein Buch „Bayrisch Blut“ wird dabei gesondert erwähnt.
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