cassiodor.com


Vivarium | Über uns | Impressum | Datenschutzerklaerung | AGB 
Vivarium > Militaria > 1939-1945 > Photoalbum

rad343.jpg

Jahr: um 1942
Bemerkung:
ArtikelNr. 4415

 

E-Mail

Fotoalbum RAD-Abtl. 343 um 1942. Ostfront, Balkan

Album 7 von 7 aus dem Nachlass des Otto W., der ab 1934 dem Arbeitsdienst angehörte und sich dort zum Offizier hochdiente. Anfangs gehörte er der Abteilung 83 in Spremberg (Lausitz) an, später der Abteilung 343.

4°, 32 gelochte papierstarke Blatt in Klammerbindung, ca. 189 s-w-Fotos überwiegend im Format 6x9cm (vereinzelt 7x10 oder 6x6cm), komplett gefüllt. Die Abzüge wurden einseitig auf das dünne Papier geklebt, wohl noch im Krieg oder knapp danach (Papierqualität). Etwas berieben, manche Pergaminseiten mit Läsur, sonst gut. Unbeschriftet. Das Album berichtet vom Einsatz von RAD-Abtl. 343 an der Ostfront (ca. 72 Bilder) und auf dem Balkan (ca. 115 Bilder).

Das Album wirft ein kleines Schlaglicht auf ein noch recht unerforschtes Teilgebiet der Geschichte des Krieges, nämlich den Kriegseinsatz des RAD in den Jahren 1939-1944 (im Winter 1944/1945 wurden die RAD-Angehörigen dem Volkssturm eingegliedert).

Ostfront (wohl Kursk), Jugoslawien (Serbien, Bosnien), 1942.
Protagonist Otto W. ist nur selten abgebildet, aber er fotografiert hervorragend. Das Album erzählt vom Arbeitseinsatz, teils in der Etappe der Ostfront, teils im Balkan. Datierungen finden sich keine und nur ganz vereinzelt Bildunterschriften.
Die ersten 72 Photos wurden in Russland gemacht. Man sieht u.a. einen Versorgungszug mit jungen RAD-Männern, einen umgestürzten LKW (alle Fahrzeuge mit RAD-Kennzeichen), eine angetretene Abteilung, Männer und LKW neben einer Bauernkate, ein uniformiertes Russenkind im Schlamm mit Essgeschirr neben deutschem Versorgungsdepot (ein rührendes Bild!), einen Soldatenfriedhof mit frisch ausgehobenen Gräbern (Grabkreuze datiert Juli 1942, Gräber auch von RAD-Opfern) und daneben angetretenen Wehrmachtssoldaten und RAD-Männern, RAD-Männer am Tisch (W. deutlich zu erkennen, einmal Bildunterschrift „Kursk“), RAD-Pkw mit Motorschaden und RAD-Offizier, eine schöne Reihe von 6 Bildern, die den Bau eines kleinen Lagers zeigt (ein Haus mit Tafel „Höherer RAD Führer H XIX 1942“), Schießübung, russische Bauernkaten mit ärmlicher Bevölkerung, 6 eindringliche Bilder von ärmlicher Bevölkerung (eines zeigt 4 angetretene Hilfswillige, „Hiwis“ in Uniform und Armbinde), Ordensverleihung durch RAD-Offizier (eben in jenem zuvor gezeigten Lager), Offiziere, eine Parade und Fahnenweihe wohl zum Abschluß des RAD-Dienstes und Eintritt in die Wehrmacht einiger Rekruten (in einer Stadt, mit aufgebauten Kanonen).

Transport: Folgend sehen wir eine LKW- und PKW-Kolonne und die auf Eisenbahnwaggons verladene Kolonne, zerschossene Häuser, Panzer IV beim Bahntransport. Die nächsten 25 Fotos zeigen zuerst den Bahntransport nach Jugoslawien, und was sich aus dem Zug so sehen liess (6 Bilder), dann den Transport in LKW-Kolonne (19 Bilder).

Jugoslawien: Es folgen 8 sehr interessante Bilder einer Prozession von Frauen und angetretene Männer mit schwarzen Hosen, weißen Hemden und schwarzen Krawatten (die Häuser teils mit der Hakenkreuz-Flagge nachgeahmten Fahnen geschmückt) – da auf der Seite auch ein Bild eines Soldatengrabes gezeigt ist und man den Namen „Karl Fornfeist“ lesen kann, lässt sich der Ort (ob der Internet-Gräbersuche des Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge) als Uzice, heute Titowo Uzice, identifizieren; die Stadt war 1941 eine Hochburg der Partisanen und wurde im Herbst des Jahres von den Deutschen nach schweren Kämpfen erneut besetzt; bei den angetretenen Männern wird es sich um Ustascha-Angehörige vielleicht des Kosta Pecanac oder der Zbor-Bewegung handeln. Dann neben einer Dorfstrasse geparkte Panzer (wohl auch in Uzice). Dann 15 Fotos einer Überfahrt über einen Fluss neben einer zerstörte Brücke (alle RAD-Männer mit Karabiner 98) und eine Hafenstadt mit wohl einschlagenden Bomben. Dann scheint der Transport sein Ziel erreicht zu haben (nächste 56 Bilder), man sieht eine Stadt mit mohammedanischem Bevölkerungsanteil (wohl in Mazedonien oder Bosnien-Herzegowina), Häuser mit Bombenschäden daselbst, ein großes Treibstoffdepot und die RAD-Autos beim Tanken, eine mohammedanische Kleinstadt mit verschleierten Frauen und sonstiger Bevölkerung (ein Haus mit Tafel „Narodna Kuhinja“, Volksküche), Bazar, Luftwaffen-Soldaten neben verschleierten Frauen, ein großes Munitionsdepot neben Eisenbahnanlagen und die Männer beim Granatenschleppen, 2 RAD-Mannen neben einer umgestürtzten 8,8-Flak, Arbeiten im Depot. Dann wieder ein Bahnhof (Inschrifttafeln hier kyrillisch) und ein erneuter Zugtransport (10 Bilder). Mit einem Foto, das RAD-Männer (in Wehrmachtskluft) auf offenen Waggons neben den verladenen LKWs zeigt, endet das Album.




Die allgemeine Arbeitsdienstpflicht war in Deutschland für Männer 1935 eingeführt worden – und sie bedeutete 6 Monate Schuften für den Staat, vor dem danach zu absolvierenden Militärdienst. 1942 ließ man die jungen Männer des einzuberufenden Jahrgangs 1924 im Hinterland der Ostfront ihren Arbeitsdienst ableisten, 6 Monate später übernahm dann die Wehrmacht die 18jährigen, die Grundausbildung geschah vor Ort. Eine Vereidigung an der Ostfront wird im Album auf einigen Bildern schön dokumentiert.
Da W. bereits 1934, also noch vor Beginn der Dienstpflicht, als vielleicht 28-jähriger Mann in den RAD eintrat, geschah dies freiwillig und wurde von Konstantin Hierl und den RAD-Oberen gerne gesehen. W. arbeitete sich hoch und konnte so ab 1936 „hauptamtlich“ tätig sein, zum Funktionär aufsteigen und den Krieg trotz jahrelangen Dienstes fürs Vaterland überleben. Er verlebte die Jahre beim RAD zu Anfang als Unteroffizier („Vormann“), 1942 war er zum Truppführer oder Obertruppführer aufgestiegen. In den Kriegsjahren wurde W., wie die meisten seiner Offiziers-RAD-Kameraden, von der kämpfenden Soldaten eher als Drückeberger verachtet - wenn auch zahlreiche RAD-Männer im Einsatz fielen, wie einige Bilder des Albums zeigen.

(c) Ingo Hugger  2020 | livre@cassiodor.com