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> 1939-1945
> unveroeffentlichte Manuskripte
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Jahr: |
nur Kopie |
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ArtikelNr. |
2597 |
E-Mail
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Schmid-Dankward, Axel: Chronik der Kriegsgefangenschaft in Ägypten 1943-1948.
Selbstverlag, Hamburg 1983; 4°, Leineneinband, s-w-Abb., 49 Seiten (gesamt 98 Seiten, bedruckt ist immer nur die Vorderseite eines Blattes).
Die Quelle ist im Privatdruck entstanden. Ursprünglich lagen die Seiten nur als Fotokopien vor, der ehemalige Eigner Hans Zilcher oder dessen Witwe liessen die Blätter schön in Leinen binden. Auf dem Einband steht in Goldlettern „Chronik der Kriegsgefangenschaft in Ägypten 1943-1948“. Lose beiliegend ein Brief des Herausgebers und wohl Autors Axel Schmid-Dankward, der sich an alle Mitglieder eines Kameradenvereins (genannt „Satelliter“) richtet und vom Verfassen des Buches berichtet.
Das Lager war bei Fayid oder Fanara am Ufer des Großen Bittersees (Great bitter lake) gelegen, am Suezkanal zwischen Port Said und Suez. Jedoch wird in der Quelle lediglich die Geschichte des Offizierslagers geschildert, die Verhältnisse bei Mannschaften, Arbeitskompanie o.ä. bleiben unberücksichtigt. Eine handgezeichnete Karte vorne überliefert die Namen der bei Fayid / Fanara gelegenen Kriegsgefangenenlager: P.O.W.-Camp 306, POW-Camp 380, 330 und 307. Die Offiziere lebten in „Satellite“ genannten Sonderlagern, die wohl nahe den großen Kriegsgefangenenlagern lagen aber von diesen getrennt waren, sodaß ein Kontakt Offiziere-Gemeine verhindert wurde. Die gefangenen Offiziere waren in einigen großen Schüben ins Lager gekommen: 1943 nach der Niederlage von Tunis, 1944 nach der Schlacht von Monte Cassino und 1945 aus der Ägäis nach der deutschen Kapitulation. Dazu kamen einige, die bereits bei El Alamein 1942 vor den Briten kapituliert hatten. Zwischen disen Schüben bos ich die Anzahl der Soldaten lediglich durch einige wenige Flugzeugführer und Seeoffiziere. Die Gesamtstärke der im Lager einsitzenden Offiziere wird bei maximal 400 gelegen sein (dazu kamen indes noch 40-50 Mennschaftsdienstgrade, die „als Hilfen für verschiedene Arbeiten und als Zeltordonnanzen zugeteilt waren“). Im Herbst 1948 werden die letzten Gefangenen nach Deutschland repatriiert. Interessant ist, daß die Namen der Offiziere bis auf eine Ausnahme ungenannt bleiben, was im Vorwort und dem Beibrief auch zur Sprache kommt. Die Schmach, in Gefangenschaft gewesen zu sein, wollte man wohl nicht gedruckt oder gar veröffentlicht sehen.
Kurz zum Lagerleben: Das Bewachungspersonal auf Zäunen und Türmen setzte sich zur Gänze aus Schwarzen zusammen. Deutscher Lagerführer war der Oberstabsarzt Herbert Hockemeyer (welcher später in der Bundeswehr zum Generaloberstabsarzt aufstieg – und der einzige Deutsche ist, der im Buche namentlich erwähnt ist, da er bei „Erscheinen“ bereits tot war). Der Tagesablauf sah im Groben so aus: „Der Vormittag dem Unterricht/Lernen – der Nachmittag dem Sport – der Abend der Geselligkeit“ (S.14). Bemerkenswert ein Detail im Kapitel „Die Postverbindung“: So schickten deutsche Offiziere während der Kriegszeit in Briefen an die Angehörigen Rasierklingen oder platt gedrückte Zigaretten mit, da dergleichen Artikel in der Heimat schwerer zu bekommen seien als im Lager. Leutnants schliefen zu viert in einem Zelt, Hauptleute zu dritt oder manchmal zu zweit. Im Frühjahr 1945 gelangten Teile eines Radios, eines Volksempfängers, ins Lager. Dies Gerät, das „aus Deutschland geschickt, irgendwie vorher angekündigt und so der ansonsten von britischen Soldaten sehr präzise vorgenommenen Paketkontrolle entzogen werden konnte“ (S.33) wurde von einem Deutschen Techniker derart verbessert, „daß wir den letzten, noch deutsche Nachrichten ausstrahlenden Sender empfangen konnten, es war Mährisch-Ostrau“ (ebda.). Auch vom Tode Hitlers erfuhr man so auf direktem Wege. Nachrichten wurden durch Marineangehörige mit selbstgemachten Flaggen zwischen den einzelnen Lagern um Fayid ohne Wissen der Engländer weitergegeben.
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