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Jahr: um 1941-80
Bemerkung:
ArtikelNr. 09191
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Begleitkommando 21 für schwere Schiffbrücken, Fotos und Erinnerungen 1941-1945

Otto K.: Meine Soldaten- und Kriegszeit, geschrieben aus der Erinnerung. Privatdruck, o.O. o.J. (um 1980), 8°, kartoniert, 96 Seiten, s-w-Abb., Deckel falzig, etwas fleckig, sonst gut.

Der Bericht ist faszinierend, hier werden Details des Weltkrieges erzählt, die sonst eher selten behandelt sind: Binnengewässer-Schifffahrt und Brückendienst im Osten 1941-1942, Gefechte in Deutschland 1945.

Der aus Leutkirch stammende Autor wurde 1921 geboren.
1940 kommt er zum RAD, Ende Oktober muss er bei Fessenheim im Elsass „Feldbefestigungen der Maginot-Linie“ abbauen: „Die Schützengräben der Maginot-Linie gingen im Zick-Zack über Wiesen und Felder, durch Dörfer, Straßen und Gärten. Die Stacheldrahtverhaue bauten wir ab, und die Gräben ebneten wir ein. Das Grobmaterial kam nach unten. Mit Wasser aus Feuerwehrschläuchen schwemmten wir es ein, damit wir viel hineinbrachten. Der Humus wurde oben hingebracht. ...“
Anfang 1941 geht es zur Wehrmacht, Otto wird in Villingen beim Kraftfahrer-Ersatzbataillon ausgebildet. Im April des Jahres wird er in seine spätere Truppe versetzt, er dient bis zur Verwundung 1943 beim „Begleitkommando 21 für schwere Schiffbrücken“. „Eine Pionierausbildung hatte ich nicht und Autos zum Fahren, wozu ich ausgebildet war, bekamen wir nicht. So mußte ich mir alles eben ohne Ausbildung aneignen.“ Ende des Monats ist er in Bulgarien, nahe Nikopol an der bulgarisch-russischen Grenze. „Meine Einheit ... hatte eine Sollstärke von 70 Mann. Einheitsführer war Leutnant Kirchenbauer ... von Karlsruhe. Im Zivilberuf war er Diplomingenieur und Bauunternehmer. ... Die Sollstärke wurde nie erreicht, sondern schwankte zwischen 40 bis 60 Leuten. ... Jeden Tag fuhr man die 4km bis zu unserer Brücke. .... Die Brücke war 1173 m lang und ging von Turnu Magurele in Rumänien nach Nikopol in Bulgarien. Der breite Teil der Brücke bestand aus schwerem deutschem Schiffsbrückengerät = SS Gerät, der entferntere schmale Teil war österreichisches Herbert-Gerät aus der Zeit des ersten Weltkrieges. .... Ab Mitte Mai 1941 fuhr nun das siegreiche Griechenlandheer wieder über unsere Brücke zurück. ...“ Als der Krieg gegen Russland beginnt, fährt die Truppe auf Fähren ins Schwarze Meer. „Immer drei Fähren waren mit Trossen ... zusammengehängt und von einem Donaudampfer gezogen.“ Als Bewaffung dienten MG08/15. Der genaue Dienst im Schwarzen Meer ist unklar. Außer Minensuchen scheint wenig zu tun gewesen zu sein. Im Winter wird in Reni angelegt, die Fähren wurden ans Ufer gezogen und „abgebrochen“. Mit dem Zug geht es durch die Ukraine ans Asowsche Meer. Im Hafen von Taganrog werden die Fähren wieder zusammengebaut und man schifft „den Don aufwärts nach Aksaiskaja“ [heute Aksai], wo eine Kriegsbrücke gewartet und geleitet wird.
Anfang 1943 beginnt für Otto „die Stunde der Alarmeinheiten“: „Eine Alarmeinheit ist das Schlimmste, was es überhaupt gibt. Keiner kennt den anderen. Wer fällt, der stirbt wirklich als unbekannter Soldat. ... Nicht einmal Sold gab es bei diesem Haufen. .. Dafür aber alle Patronentaschen und alle Hosen- und Mantelsäcke voll Munition. ...“ In Radorskaja am Don erlebt er schwere Gefechte und erhält einen Schuss „in den offenen Mund“. Wie durch ein Wunder überlebt er. Seine Heilung dauert Jahre, mit Gesichtsprothese kämpft er 1945 erneut und schildert im Buche Gefechte in Kehl, Heilbronn (hier mit interessanten handgezeichneten Karten) und am Ende im Tal der Jagst, wo er erneut im Gesicht verwundet wird („das linke Auge ist mir ausgelaufen“). Nach Operationen und Genesung kommt er in das Kriegsgefangenenlager Heilbronn-Frankenbach. Am 2. August ist er entlassen.

Dazu 4 s-w-Abzüge, die allesamt im Buche abgedruckt sind: „Leuchtturm an der Mündung des Sulima-Armes in das Schwarze Meer. Im Vordergrund unsere Fähre. Sie trägt noch die Tarnung, die nun auf dem Meer sinnlos geworden ist.“ / „Feldgottesdienst am Königsfest auf dem großen Marktplatz [von Reni, mit rumänischen Sodaten]“ / „Hochwasser mit Eisschub. Tonnenschwere Pontonteile wurden wie Spielzeug ineinandergeschoben“ [bei Reni] / Portraitphoto des Otto um 1941.

 


(c) Ingo Hugger  2009 | livre@cassiodor.com | Artikel |  RSS