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von heinsberg.jpg

Jahr: 1846-1847
Bemerkung:
ArtikelNr. 08892
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Düsseldorf. Tagebuch Kaspar Josef von Heinsberg, 2.6.1846-31.12.1847. Bezirksregierung

Tagebuch, 8°, Halbledereinband, ca. 355 von Hand mit Tinte beschriebene Seiten, Rückenkanten mit Läsuren, Deckel gelockert, fleckig, ein Blatt lose, fleckig, sonst gut. Das Buch ist von der ersten bis zur letzten Seite beschrieben, auf S. 144 eine Handskizze („Mein zukünftiger Herr Bruder“, gezeigt Mann mit Bart und Uniform), dazu etliche Tischordnungen. Beiliegend einige Sterbebilder, u.a. Albert von Heinsberg 1945, Todesanzeige um 1800 für Maria Anna von Scahays-Bastel.

Urheber ist Caspar von Heinsberg, ein adeliger Mann katholischer Konfession, der Verpflichtungen innerhalb des Klerus versah, aber einem weltlichen Berufe nachging. In Wikipedia (Stand 7/2019) findet sich ein Eintrag zu Heinsberg. Genannt wird der Mann da Kaspar Josef von Heinsberg (geb. 29.10.1820 in Linn, Krefeld; gest. 20.9.1897 in Wevelinghoven). Demnach studierte H. Kameralwissenschaften in Bonn und München und arbeitete ab 1845 bei den Bezirksregierungen in Düsseldorf und Münster. Von 1851 bis 1876 war er dann Landrat des Kreises Grevenbroich, von 1876 bis 1888 Landrat des Kreises Neuss.

In den Texten geht es primär um das private Leben des Protagonisten. Behandelt sind gewöhnliche Tagesabläufe, Freunde, Treffen, Reisen in das nahe rheinische Gebiet, menschliche Verstrickungen. Obwohl Heinsberg im vorgeschickten Gedicht auf S. 3 betont, dem Büchlein all seine Geheimnisse anzuvertrauen zu wollen, konnte der Antiquar während seiner 2stündigen Stichprobenanalyse nichts Doppelbödiges entdecken.

Auf S. 1 schrieb H. einen handschr. Titel „Tagebuch, III. Band, angefangen den 2. Juni 1846, beendigt den 31. Dec. 1847“. S. 349-Ende sind mit einer Inhaltsangabe versehen, hier sind mit Seitenzahlen die wichtigsten Ereignisse notiert, von „An mein Tagebuch“ (S.1) bis „Ankunft der ….mann [unles.] Mylius mit 2 Geschwistern hierselbst“ (S.348). Andere Kapitel/Tage der Inhaltsangabe: Erhard Mylius gebährdet such närrisch / Tod der Frau v. Biegeleben geb.v. Solemacher [Sobmacher?] / Wickelkinder in der Rettungsanstalt zu Düsseldorf / Reise nach Bonn / Pius IX der neue Papst / Besuch der Hr.v.Ammerongen / Kunstausstellung / Tod des taubstummen Malers v. Steinäcker / Kirmes-Ball Uerdingen / Heine’s Reisebilder / Der Eremit von Gauting / Picknick / Caspar Hauser, der Thronerbe Badens / Wasser-Heilanstalt zu Erkrath / Glück auf der Spielbank / Elise Biegeleben, Godesberg / Dahlmanns Politik / Versetzung in die 2te Abtheilung der Regierung.

Einige Zitate:

31.8.1846: „Samstag morgens ging ich ins [?] Dampfschiff, um nach Hause zu fahren, hatte aber ohn ich hierzu kam, ein kleines Abenteuer. Als ich nämlich gedankenvoll ins Bureau ging, reckte eine verfluchte Mähre, welche an einem Eisenbahn-Omnibus sich befand sans facon ihren langen Hals aus und ließ mich in die Arm. Ich … unwillkürlich Au …, hatte aber doch Mühe, mich wieder von den Zähnen des Pferdes zu befreien. Mein Arm ist … tüchtig wund u. blau u. wird das Souvenir an jene Minute wohl noch ziemlich lange behalten. ......

7.1.1847: Der Eremit von Gauting, Frhr.v.Halberg befindet sich augenblicklich hier. Ich traf ihn heute im Vereine, u. ließ mich ihm durch Brencken vorstellen. Der alte Sonderling wußte sich noch vieler Heinsberg, die er einst gekannt, zu erinnern. .........

27.9.1847: „Sonntag, den 11.2.: Gestern Nachmittag ging ich mit Brenken zu Eynatten, wo wir der Major v. Bessel [?] trafen u. lange plauderten. Auf dem Hin- und Rückweg begegneten mir die Maerckens. Von Brenken bekam ich ein verbotenes Buch zu lesen: Caspar Hauser, der Thronerbe Badens. Paris 1847; welches nichts enthält, als ein Gewebe der schauderhaftesten Verbrechen, …, Morde, Giftmischereien, Nothzuchte.. der höchsten und allerhöchsten Herrschaften namentlich Badens. Die Farben mögen gewiß in dem Buche zu stark aufgetragen sein; aber der Kern ist gewiß wahr. …..“

7.12.1847: „„Der Königl. …referendar D. Herr Caspar v. Heinsberg wird in die zweite Abtheilung versetzt und dem Herrn Geh…. Rath Hartren [?] zur angemessenen Beschäftigung überwiesen.“ Endlich! .......“

 


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