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Jahr: 1937-1944
Bemerkung:
ArtikelNr. 08840
Besucher 97

 

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Wolfgang W., Funker im Gebirgsjäger Rgt. 100, Feldpost und Dokumente 1937-1944. FFO Flugfunk-Forschungsinstitut Oberpfaffenhofen

Konvolut zum Soldaten Wolfgang W., (22.4.1917 – ca. 1995 ). W.’s militärischer Werdegang ist ungewöhnlich. Im Kriege wird er lt. Auskunft seines Vaters (in einem Briefe, der hier nicht vorliegt) zweimal eingesperrt, da er sich als Militärgegner widerspenstig verhalten habe. Es gelingt ihm, Kampfeinsätze zu vermeiden. Er dient als Übersetzer, Funker und Techniker. 1944-1945 war er als Zivilist bei einem kriegswichtigen Betrieb eingesetzt.

Der am 22.4.1917 geborene Wolfgang war Schüler im katholischen Internat Stella Matutina (anfangs in Feldkirch in Voralberg, ab ca. 1934 in St.Blasien im Schwarzwald) und machte dort 1936 sein Abitur. Anschließend dient er beim RAD in Achern bei St. Blasien. 1937-1938 absolviert er seinen Wehrdienst beim Gebirgsjäger-Regiment 100 in Bad Reichenhall, 1938 ist er bei der Gebirgs-Nachrichten-Abteilung 54 in Oberammergau eingesetzt, im Oktober 1938 wird er entlassen. Vom 1.4. zum 17.7.1939 studiert er an der TH München, danach kommt er zur Heeresnachrichtenschule nach Halle. Im Oktober des Jahres wird er wieder zu seinem Truppenteil versetzt. Im Januar 1940 dient er in der Nachrichtenabteilung 230 in Wetzlar, nimmt wohl am Frankreichfeldzug teil. Im September 1940 ist er Besatzungssoldat in Frankreich, wohl bei GJR 100. 1941 bekleidet er den Dienstrang eines Wachtmeisters. 1942 ist er Student an der TU Aachen, er gehört der Studentenkompanie an und scheint immer noch Soldat zu sein. Im Januar 1943 besteht er in Wetzlar eine Dolmetscherprüfung, im Februar ist er in Guingcamp in Frankreich, im März macht er (nun als Feldwebel) in Pisek (in Böhmen) eine Pionier-Ausbildung beim Pionier Ersatz Bataillon 17. Danach findet man ihn beim Pi Ers Btl. 9 in Aschaffenburg, wo er sicher bis November 1943 bleibt. Am 31.12.1943 bezahlt er seinen Beitrag zur DAF, er ist also Zivilist und Angestellter. Von 1944 bis Kriegsende lebt er in Gilching bei seiner Mutter und arbeitet im „Labor Richter Flugfunk München in Oberpfaffenhofen“ (so die Adressangabe einer Ansichtskarte). Ein Stempel im Arbeitsbuch dagegen lautet auf: „Flugfunk-Forschungsinstitut Oberpfaffenhofen“. Ein Heinz Richter (1909-1971) arbeitete tatsächlich bei der FFO. Laut Auskunft der Tochter des Wolfgang habe ihr Vater die Jahre 1944 und 1945 mehr auf Reisen und in Hotels verbracht als anderswo. Sein Chef (Richter?) habe ihn bevorzugt behandelt und oft auf Reisen geschickt, um Gerät und Material irgendwoher zu holen oder irgendwohin zu bringen.

- Arbeitsbuch, ausgestellt 1943, nachträgliche und aktuelle Eintragungen von 1938-1944.
- Militärische Gegenstände: Papptafel eines Schreibblocks um 1944 „Schlüsselblock für Handschlüssel“ / Erkennungsmarke mit Prägung „Wi.Gru.H.N.S.“ (Wirtschafts-Gruppe Heeres Nachrichten Schule ?) / 2 Schulterklappen einer Uniform / 2 Bücher Fernmeldetechnik im Heere Heft 1 und 2 (Besitzervermerk mit Truppenkennung „3. / G.N. 54 Oberammergau“, einmal mit inliegendem handschr. Brief, datiert 16.8.1938)
- Gegenstände, während eines Einsatz in Frankreich 1940 mitgenommen: 3 Landkarten (Toul, gedruckt 1908 von Service géographique de l’armee / Nancy, gedruckt 1907 von ebenso, mit Aufschrift „Wachtmeister W....“ / Environs de Fontainebleau et du Melun, 1912 [mit handschr. Eintragung unter den Orten „Samois-sur-Seine“ und „Fromonville“]), 2 Bücher 1941-1942.
- 4 s-w-Abzüge 5x7cm (verso um 1980 beschriftet), 2x beim RAD 1936, 2x 1937 als Funker beim Gebirgsjäger-Regiment 100. Dazu ein Portraitbild im Rahmen.
- 3 ungelaufene s-w-Ansichtskarten, Motive aus Pisek.
- ca. 50 Schreiben (ohne Umschlag) an Wolfgang, RAD- und Wehrdienst, 1937-1938.
- ca. 70 Schreiben des Wolfgang an die Mutter, 1937 und (zumeist) 1938, oft Postkarten.
- Umschlag mit ca. 140 Schreiben, ca. 70 x von der Mutter an Wolfgang in Pisek Anfang 1943, ca. 70 diverse 1939-1942.
- Schachtel mit ca. 50 Schreiben (oft mit Umschlag) des Wolfgang an die Mutter und an andere, 1939-1944.
- Schachtel, handschr. betitelt „Briefe von mir“, Wolfgang meist an die Mutter, 1936-1937 vom RAD und GJR 100.
- handschr. Briefentwurf des Wolfgang, dat. 8.9.1941. W. schreibt an die Nachrichten.-Abteilung 509 und legt Einspruch ein gegen die Strafe von 5 Tagen gelinden Arrestes. Er war von 6.-7.9.41 Leiter des Funkdienstes und hatte im Dienst in einem anderen Zimmer als dem Funkraum private Briefe geschrieben, weshalb er seine Strafe erhalten hatte.
- Kriegsbeorderung, 2.12.1938. „Im Falle einer Mobilmachung haben Sie sich nach der Bekanntmachung des Mobilmachungsbefehls .... am 5. Mobilmachungstage bis 12.99 Uhr in Oberammergau ... Nachrichtenkaserne ... zu gestellen. ....“
- Führungszeugnis der der Entlassung aus dem Heer, Oberammergau 29.10.1938, Gebirgs-Nachrichten-Abteilung 54. W. hat sich sehr gut geführt.
- Informationszettel der Geb.Nachr.Abt.54, 3. Komp., signiert von Kompanieführer Schöfer (Schäfer?) bzgl. „Entlassung ohne Kriegsbeorderung“.
- Handskizze, Soldat mit Aktentasche.
- Schreiben der TH München, dat. 31.12.1941. W. ist fürs Erste von Hochschulgebühren befreit.
- maschschr. Brief eines Kalberg von der „Reichsfachschaft für das Dolmetscherwesen, Gau Köln Aachen“, dat. 26.3.1943. „... Der Ihnen widerfahrene Wechsel in der Waffenfarbe wird Ihnen nach so langer Dienstzeit als Nachrichtenmann wohl sehr wenig zugesagt haben. ...“

 


(c) Ingo Hugger  2009 | livre@cassiodor.com | Artikel |  RSS