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ArtikelNr. 08837
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Tagebücher einer Frau, Gilching 1942-1957

Konvolut von Tagebüchern aus dem Nachlass der Rosa W. (1888-1981), die von Mai 1935 bis zu ihrem Tode in Gilching, 1935 in der Römerstraße 181, lebte. Beiliegend ein Brief, in dem eine 24jährige Frau ihrem Verlobten den Laufpass gibt!

- 3 Tagebücher ca. 1904-1920 (12°, beschrieben in Gabelsberger Steno) / 1900-1909 (8°, beschrieben in Gabelsberger Steno) / Notizbuch mit diversen Einträgen ca. 1906-1920 (12°, Poesie etc., großteils Gabelsberger Steno).
Bemerkenswert ist das größte und umfangreichste der Bücher, schön in Halbleder gebunden. Beiliegend wenige Heiligenbildchen, ein Briefumschlag, ein Brief, eine AK etc., dazu montierte Pflanzen. Das Buch ist meist in Gabelsberger Steno beschrieben.
Vorne ein handschr. Brief, auf dem ein Sohn der Verfasserin notierte: „Mutter als 24jährige an ihren ex-Verlobten, Herrn Hall, Sohn eines Freundes ihres Vaters.“ Rosa schreibt: „... Ich bin eben der Ansicht, daß ich ... über meine Zukunft selbst entscheiden muß u. bedarf dazu nicht der Überlegungen u. des Rates anderer. .... Kennen Sie die Liebe, Herr Hall? Wenn ich nach dem urteile, wie ich Sie kennen lernte, nein. Oder Sie haben mich überhaupt nicht geliebt u. sich nur nach reichlicher Überlegung entschlossen, mich geeignet als Ihre „Gattin“ zu befinden. ... Als ich mich mit Ihnen verlobte, tat ich es mit der ernsten Absicht, Ihnen einst auch meine Liebe zu schenken. Ihr Benehmen mir gegenüber war nicht dazu angetan, meine Freundschaftsgefühle zu vertiefen. ... Aber alles, was ich von Ihnen sah und hörte, war nicht von innigster Lebenskraft und Lebenslust, sondern ist fein säuberlich geläutert unter der Einwirkung vernünftig denkender Menschen hervorgegangen. Solang Ihre Liebe im Rahmen engherziger Erwägungen steht, ist sie keine Liebe, sondern eine Nummer jener Schablone, nach der Sie sich Ihre Lebensvollziehung denken. Und Ihre Ehe wiederum ist schon jetzt als Kopie einer Musterehe festgelegt. ....“

- 1942-1949: 7 Tagebücher, je 12° und jeweils komplett in deutscher Handschrift beschrieben. 1942, 1943, 1944 (nur rudimentär), Tagebuchzettel 1945, 1945, 1946-1948, 1949. Die Bücher sind faszinierende Quellen zum Kriegsgeschehen an der Heimatfront, auch wenn die Gedanken der Mutter sich zumeist um ihre 3 Söhne drehen, die alle in waffenfähigem Alter sind. Einer dient im Gebirgsjägerregiment 100 (und verliert im September 1943 im Osten ein Bein), einer studiert (nach Einsätzen als Sanitäter in Polen und Frankreich) in Innsbruck Medizin (und fällt Ende 1944 in Belgien), einer ist Funker und Techniker (in Frankreich und Deutschland, er überlebt den Krieg unbeschadet).

- 1951-1957, 6 Bücher.

 


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