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Jahr: 1946-1950
Bemerkung:
ArtikelNr. 08657
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Evangelisch-Lutheranische Kirchengemeinde Gauting: Heft mit Angaben zu Mitgliedern, 1946-1950

Schulheft, 8°, kartoniert, ca. 40 beschriebene Seiten und zahlreiche zusätzliche Blätter, lichtrandig, berieben, sonst gut.

Es handelt sich bei der Quelle um das Notizheft von Ilse L., einer Mitarbeiterin der evangelischen Gemeinde Gauting. Hier wurden Namen und weitere Angaben von ca. 60 Mitgliedern der Kirchgemeinde (Adressen, Berufe, Geburtsdaten, Kinder, Privates u.a.) festgehalten. Als Schmierzettel verwendete die Frau auch Rundbriefe etc. der Kirchengemeinde, was eine Datierung der Quelle ermöglicht und weitere interessante Einblicke ermöglicht. Dazu sind andere Schreiben im Buch abgelegt.

Bemerkenswert ist eine Aufzählung von 40 in der Zugspitzstraße und anderswo wohnhaften Gemeindemitgliedern. So erfahren wir, dass Marie Lauerers Haus in der Zugspitzstr. 286 von den Amerikanern beschlagnahmt wurde und sie in die Hausnummer 180 verzog. Ähnlich erging es Generalleutnant Kurt Spemann (geb. 1877 in Düsseldorf), dessen Haus (Obere Zugspitzstr. 355) im März 1947 beschlagnahmt wurde (er verzog nach Königswiesen). Spemann war 1929 zum Generalleutnant ernannt und gleichzeitig in der Ruhestand versetzt worden. 1939 reaktiviert, war er 1939 bis 1943 Kommandant der rückwärtigen Gebiete („Korück 584)“ der Heeresgruppe Nord. Er starb 1950 in Tutzing. Oberst a.D. Kurt Freiherr Kress von Kressenstein (geb. 1872 in Nürnberg) wohnte mit Gattin Marie (geb. 1877 als Marie von Petz in Nürnberg) in der Zugspitzstr. 219, Tochter Sofie lebte verheiratet in der Hindenburgstr. 3. Auguste Raab, geb. 6.7.1887 in Lothringen, wohnte in der Zugspitzstr., ihr Sohn war 1943 mit 16 Jahren in Nürnberg als Flakhelfer gefallen; sie „geht zur christlichen Wissenschaft“, will aber „nicht aus der Kirche austreten“. Das Ehepaar Ingeborg und Ernst Renner (geb. in Offenbach und Bilin im Sudetengau) heiratete zwar am 30.6.1948 in Gauting, war aber noch nicht kirchlich getraut. Schreinermeister Karl Leistner (geb. 1883 in Bonn) lebte in der Schlageterstr. 103a, sein Sohn war seit Februar 1943 vermisst. Robert Schäfer (geb. 1880 in Stuttgart) betrieb in der Starnbergerstraße 255 eine „Fahrrad- u. Autozentrale“ und hatte 6 Kinder. Etcpp.

An weiteren Quellen (Rückseiten von Schmierzetteln aber auch Briefe, Rundschreiben u.ä.) liegen z.B. vor: Gemeindebrief Weihnachten 1949 / Einladung zum Mütterdienst 3.2.1950 / Brief an Ilse L. (signiert von dem damaligen Pastor Martin Schutzka) / Brief an die Mitarbeiter vom 7.5.1947 (signiert von Schutzka) / Brief mit Umschlag 1947 / Einladung 27.2.1947 zum Vortrag „Christ und Staat“ des Otto Heigl aus Gauting / Blatt mit „Neubau-Abonnenten“ (Scheltema, Seebaß etc.) auf Zettel der Gemeindesparkasse Gauting dat. 28.4.1938 / Schreiben über wohltätige Pakete / Zettel zur Vortragsreihe „Gottes Wort zur gegenwärtigen Stunde“ Oktober 1947 / Aufforderung an Gemeindemitglieder, Bücher zu spenden, dat. April 1946. Etcpp.
(Am Rande: Der damals verantwortliche Martin Schutzka (geb. 1908 in Posen) war von ca. 1947 bis 1954 in Gauting als Interims-Pfarrer eingesetzt. 1954 kam er nach Berlin-Spandau, wo er bis ca. 1960 als Pfarrer und Superintendent arbeitete.)

 


(c) Ingo Hugger  2009 | livre@cassiodor.com | Artikel |  RSS