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kajak-staffelsee.jpg

Jahr: 1915
Bemerkung:
ArtikelNr. 07121
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Ferientage am Staffelsee, Privatdruck 1915. Mit Kajak auf Staffelsee und Ammersee

Privatdruck in 2 Ausgaben, einmal 4° (kartoniert, 28 einseitig bedruckte Blatt, Durchschläge von Schreibmaschinenblättern, etwas fleckig, sonst gut), einmal gr.4° (Schnurbindung, broschiert, 28 Schreibmaschinenblatt mit handschr. Korrekturen, Flecken, partiell Läsuren, sonst gut). Bd. 1 (gr.4°) ist die Urfassung des Textes, Bd. 2 die korrigierte Abschrift.

Autor ist der in Schondorf am Ammersee lebende, 1915 wohl 15jährige Georg Arnold. Der volle Titel des Textes lautet: „Ferientage am Staffelsee, Pfingsten 1915, 22.-27.Mai“. Beschrieben wird ein Kajakurlaub, den 4 junge Leute unternahmen. Der Bericht ist großteils recht kurzweilig zu lesen.

Arnolds Boot nannte sich „Onkel Otto“, die seiner Kollegen „Frosch“, „Emden“ und „Otto von Weddigen“. Die Kajaks wurden per Bahn von Schondorf nach Murnau transportiert und denn per Muskelkraft vom Bahnhof zum See. „Unser Plan war der, uns an einem einsamen Platz häuslich niederzulassen und von da aus Fahrten zu machen. Während der beiden Feiertage war es allerdings nicht möglich, das Zelt allein zu lassen, es musste einer oder zwei zurückbleiben, um Hab und Gut zu bewachen.“ (S.3). So schlägt man das Lager auf der Insel „Kleine Birke“ auf und erkundet in den nächsten Tagen den Staffelsee und seine Zuflüsse (z.B.Ach). Dabei wird eifrig photographiert – und entwickelt. „Ehe wir offiziell aufstanden, wurde das Zelt in eine Dunkelkammer umgewandelt, besser in mehrere, denn jeder brauchte eine für sich. Das vollzog sich folgendermassen: Man kniete nieder, lies 3 bis 4 Decken über sich legen und konnte nun auf diese Weise die Platten wechseln. Der Erfolg war bei allen sehr gut, keine Platte war verschleiert. ...“ (S.12). Am dritten Tage kommen plötzlich junge Leute aus Sachsen auf die Insel: „Sie machten ganz den Eindruck ‚Schwabinger Künstler’, allerdings ‚zugelaufener’“ (S.14), schreibt Arnold. Am nächsten Tag verlässt man die Birke und inspiziert die Insel Mühlwörth: „Mühlwörth ist wohl die eigenartigste Insel, die der Staffelsee birgt und in der Grösse der Kleinen Birke gleich. Vom See aus sieht sie verwildert und fast unzugänglich aus. ... Ist man aber durch das Dickicht gedrungen, so breitet sich eine wunderbare Rasenfläche aus. ... Das Gras ist äusserst zart, es fühlte sich wie Seide an. Wir durchwühlten die Insel gründlich und fanden an einer Stelle nicht weniger als 15 Rabenschädel, die alle mitgenommen wurden. ...“ (S.17). In den nächsten Tagen fährt man dann auf Ammer und Ammersee.

Bd. 1 enthält hinten handschriftliche Anmerkungen von Lesern. So schreibt „Sturmhammer“ [?] am 12.8.1916: „Während die Geschütze längs der Somme unaufhörlich donnern, las ich mit größtem Interesse die Kajaktourbeschreibung ...“ und ein Leutnant im Grenadier Regiment 123: „Der gelbe Neid hängt mir da heraus bei dieser ... (unles.) Kajakfahrt, indem das ich während dieser Zeit im Sumpf und Schlamm des Argonnerschützengrabens ein finstres Troglodytenleben führte in tiefen Unterständen, wo es allerdings auch genügend Wasser zum Kajakfahren gegeben hätte. ...“ So erklärt sich der „Feldpost“-Aufkleber auf dem Deckel des Bandes – das Stück wurde tatsächlich mehrfach an die Front und zurück geschickt!

Beiliegend in Bd. 1 noch ein 5 Blatt umfassender Text zu einer Kajakfahrt auf dem Ammersee (dat. 1916).

 


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