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alfred-genz-maleme.jpg

Jahr: 1962
Bemerkung:
ArtikelNr. 06687
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E-Mail

 
Fallschirmjäger Alfred Genz, Bericht 1962 zu Kämpfen auf Kreta, 20.5.1941

Maschinenschriftlicher bundeswehrinterner Bericht des Alfred Genz zur Einnahme des Flugplatzes Maleme 1941. Mit handschriftlichen Korrekturen und Zusätzen des Genz.
9 einseitig mit Schreibmaschine beschriebene Blatt, geschrieben in der „Mackensen-Kaserne“ zu Bergzabern in der Pfalz. Beiliegend Skizze in Kopie um 1962. Beiliegend Text des Genz in „DDF 5/1957“ „Handstreich auf britische Flak-Batterie, ein abenteuerlicher Nachtmarsch nach der Landung auf Kreta“ (1 aus Zeitschrift „Der deutsche Fallschirmjäger“ ausgeschnittenes Blatt). Gelocht, etwas berieben, sonst guter Zustand.

Genz befehligte bei der Schlacht um Kreta die 1. Kompanie (wohl des 1. Btl.) des Sturmregiments der Fallschirmtruppe. Behandelt ist hier die Einnahme der Flakbatterie und ein folgender Nachtmarsch der versprengten Truppe zu anderen deutschen Einheiten.

Genz schildert den Moment, als er sein Lastensegler nahe der Flakbatterie am Flugplatz aufsetzt: „Zunächst um uns wirbelnde Splitter der zerkrachten Fläche [des Gleiters IH] und viel Staub. Ich warf die Haube ab und sprang, die MP im Hüftanschlag, aus der Maschine, genau vor zwei Soldaten, die mir ihr Gewehr im Augenblick 1m vor den Leib hielten. Im zweiten Augenblick nicht mehr. Da – vor uns, um uns, überall aus der Erde flache Helme, Gesichter darunter, Gewehrläufe! Wir liefen einfach drauf los, warfen Handgranaten, zersägte Stahlsprengrohre mit Graukopfzünder, zu Handgranaten umgearbeitet, schossen. Unerwartet kam eine meiner abgerissenen Maschinen, die mit der Werfergruppe, in der sich auch der Kp.-Arzt, Oberarzt Dr. Martin Stehjfen [sic] befand, zur Hilfe. ...“ (S.5). Bald darauf ist die Batterie erobert. Genz schreibt: „Inzwischen waren Feindpanzer an die Batteriestellung herangekommen. Wir hatten uns [von Hand eingefügt: „nach Sprengung der Geschütze“] durch den Olivenhain in südwestlicher Richtung in ein Weinfeld zurückgezogen. Ich entschloß mich nun, mich mit der Kompanie zum Rgt. 3 durchzuschlagen. [von Hand eingefügt: „Die etwas 20 Verwundeten mussten wir unter dem ebenfalls schwer verwundeten Oblt. Toschka zurücklassen. Sie wurden in einem britischen Hospital hervorragend betreut und wir fanden sie nach der Einnahme von Candia wieder.“] Am Rande des Feldes an der Straße stehend, wies ich einen Späher ein, als um eine durch Hecken unübersichtliche Biegung der Straße ein LKW preschte, voller Soldaten, auf dem Führerhaus aufgelegt 1 MG, drei Mann dabei, die Ladefläche voller Khaki. Wie begriffen schneller, die anderen langsamer. Von der Wagenbesatzung blieb keiner übrig. [die letzten beiden Sätze sind durchgestrichen, stattdessen heißt es: „Die Wagenbesatzung wurde niedergekämpft“].....“ (SS.6-7).

Der Text aus DDF 5/1957 beschreibt (allerdings wesentlich knapper) dieselben Ereignisse, die Sätze sind teils identisch.
Die handschriftl. Beifügungen in vorl. Kopie-Fassung des Textes wurden 1962 oder später angefügt, die in Kopie gedruckte Ursprungsversion folgt der Fassung von 1957. Offensichtlich wurde die Fassung 1962 etwas entschärft, um die mittlerweile verbündeten Briten nicht zu desavouieren. Das zeigt sich an der oben zitierten neuen Version der Schilderung der Eliminierung der britischen LKW-Besatzung.

Der damalige Oberleutnant Genz (1916-2000) erhielt am 14.6.1941 das Ritterkreuz verliehen. Von 1956 bis 1974 diente er in der Bundeswehr.

 


(c) Ingo Hugger  2009 | livre@cassiodor.com | Artikel |  RSS