cassiodor

Home | Über uns | Impressum | Datenschutzerklaerung | AGB 
home > Militaria > 1939-1945 > Feldpost

 

feldpostfreudenhaus.jpg

Jahr: 1941-1945
Bemerkung:
ArtikelNr. 06571
Besucher 1.306

 

E-Mail

 
Feldpost 1943-1945 Gebirgsjäger, ca. 150 Briefe und Aks. Freudenhaus, Untreue

Ca. 150 Feldpostbriefe und Postkarten und Ansichtskarten (1941-1945), ca. zur Hälfte in Umschlägen. Die Stücke wurden zumeist 1943-1944 verschickt. Berieben, im Ganzen guter Zustand. Die Überlieferung ist nicht komplett! Es schreibt der 1918 geborene Gatte an die 1918 geborene Freundin und später Gattin.
Dazu 70 Briefe der Gegenüberlieferung (teils mit Umschlägen), also der Gattin an den Gatten, primär 1944.

Spannend ist der Briefwechsel eher aus voyeuristischen denn aus militärgeschichtlichen Gründen: Erstens berichtet Gattin Maria in für die damaligen Verhältnisse ungewohnter Freimut von sexuellen Belangen. Zweitens sind auch Eifersucht, Mißtrauen und Verzweiflung oft Thema der Briefe, denn Gatte Max betrog 1943 seine Gattin mehrmals mit Huren im französischen Freudenhaus, 1944 vielleicht auch noch mit einer ihrer Verwandten.

Es schreibt der aus Südtrol (Gossensass bei Sterzing) stammende ehemalige Reichsbahnangestellte Max Thaler an die bis 1943 ebenso bei der Reichsbahn tätige Maria Gabler aus München (geboren in Seuversholz bei Eichstätt). Im Juli oder August 1943 heiraten die beiden. Maria lebt ab der Heirat im Juni 1943 wieder in Seuversholz 40 bei Eichstätt.

Im März 1943 wird Max Soldat, er dient beim 1. Gebirgsjäger-Ersatz.-Bataillon 98. Im April kommt seine Truppe nach Pontalier in Frankreich. Im August 1943 wird er nach Besancon abkommandiert, von Juli bis Dezember 1943 ist er in Frankreich als Kurier eingesetzt. Im Februar 1944 liegt er verwundet in Bad Doberan an der Ostsee im Lazarett. Aus den Briefen seiner Gattin geht hervor, dass er sich die Verwundung an der Ostfront zugezogen hatte, wo er noch im Dezember 1943 hinverlegt worden war. Maxens Briefe aus der Zeit sind nicht erhalten. Am 15.2.1944 schreibt Max: „Hast viel Sorgen gehabt, da ich so lange schwieg? Liebling, es war mir nicht möglich zu schreiben, stand die letzte Zeit stets in schweren Kämpfen. Am 31.1. traf mich eine Kugeldurchschuss r. Unterschenkel. Ja .. ich war selbst überrascht, daß ich vom Süden hier ganz an der Ostsee ankam. …“
Ab Juni 1944 ist er in Sonthofen bei der 2. Genesungs Kompanie, Gebirgsjäger Ersatz Bataillon 99. Ab August 1944 dient er als Dolmetscher bei dem Wehrkreiskommando VII in München (Winthirschule). Ab Oktober gehört er dem Ersatz Bataillon 600 an (4. Komp.), anfangs in Lissa, ab November in Hoyerswerda. Ende November wird er wieder verlegt, der Truppenteil wird nun nicht mehr genannt, die Feldpostnummer lautet 48457 (ab Mitte Dezember lautet der Stempel auf 48596, handschr. ist jedoch die alte Nummer vermerkt). Im Februar 1945 wird er mit seiner Truppe nach Sterzing abkommandiert. Im August ist er wohl im Postdienst eingesetzt, in Kriegsgefangenschaft scheint er nicht gekommen zu sein.


1941: 11 AK, 1 Brief, ab Juli 1941, die Sendungen sind nicht als Feldpost gelaufen. Max schreibt aus Obenberg, vom Brenner, aus Innsbruck, aus München. Maria weilt im München und bei den Eltern in Seuversholz bei Eichstätt. Was Max tut, bleibt unklar.
1942: 17 AK, Februar bis November 1942, die Sendungen sind nicht als Feldpost gelaufen. Max schreibt aus Innsbruck, Götzens bei Innsbruck, vom Brenner, München. Im Juni wird er in München operiert.
1943: 1 AK, ca. 45 Briefe (teils mehrseitig, teils mit Umschlag, dazu einige Umschläge ohne Inhalt) und ganz vereinzelt Feldpostkarten, ca. 3 Telegramme, von März bis Dezember 1943 und immer als Feldpost gelaufen. Max schreibt aus Garmisch-Partenkirchen, Pontalier und Besancon und Grenoble und anderswo in Frankreich. Ab Juli ist er als Kurier eingesetzt und fährt mit dem Auto und der Bahn durch das Land.
1944: 12 AK, 63 Briefe (teils mehrseitig, teils mit Umschlag, dazu einige Umschläge ohne Inhalt), von Februar bis Dezember 1944. Max schreibt meist Bad Doberan, dann ab Juni aus Sonthofen, ab August von der Dolmetscher Kompanie W.K.VII aus München (Winthirschule), dann aus Lissa und Hoyerswerda.
1945: 2 AK, ein Brief bis Mai 1945, 2 Briefe im August 1945. Eine AK zivil gelaufen, die Briefe ohne Umschläge. Max schreibt aus München und Sterzing. Im Brief aus Sterzing vom 18.2. berichtet er von einer Ferntrauung eines Offiziere seiner Truppe.

Beiliegend:
- Postkartenheft „Grenoble, 15 vues artistiques“ (quer kl.8°, Okart.)
- Postkartenheft „Besancon-les-Bains“. Deckel vorne innen mit handschr. Text „Zur Erinnerung aus Frankreich, den 14.8.43, In diesem Städtchen marschiert alle Tage zur Zeit dein Maxi.“
- 4 Totenbilder von 2 Mitgliedern der Familie Thaler aus Ausserpflersch (Gemeinde Gossensass bei Sterzing).
- Antrag des Jägers Max Thaler auf Erteilung der Heiratserlaubnis, 12.4.1943.
- Zeugnis der Maria Gabler vom 12.4.1943, ausgestellt von der Reichsbahndirektion München.
- Heiratsurkunde vom 8.6.1943.
- Bescheid der Reichsbahn-Versicherungsanstalt für Maria Thaler, dat. 3.12.1943.

 


(c) Ingo Hugger  2009 | livre@cassiodor.com | Artikel |  RSS