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telefunken-china.jpg

Jahr: um 1925
Bemerkung:
ArtikelNr. 06218
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China um 1925, 2 Fotoalben mit 200 s-w-Fotos. Telefunken-Ingenieur. Shanghai, Peking, Eisenbahn

2 Photoalben aus dem Nachlaß eines Mannes, der in den 1920ern für die Telefunken in China arbeitete. Gezeigt sind Land und Leute, der Protagonist mit Kollegen, vereinzelt Funkstationen, vereinzelt Militär, Flugzeug, Eisenbahn.

Je quer gr.8°, Kordelbindung, einmal Kunstleder-, einmal Stoffeinband. Zusammen mit ca. 200 montierten s-w-Abzügen. Album 1 (grün) enthält ca. 113 s-w-Abzüge differenter Formate (von 6x9 über 8x12 bis 15x20cm, zumeist 6x9 und ca. 9x13cm), dazu ca. 20 lose s-w-Abzüge à 6x9cm (davon 5 Dubletten). Album 2 (rot) enthält ca. 74 s-w-Abzüge differenter Formate (zumeist 6x9 und ca. 9x13cm), davon ca.1/4 vom Profi gefertigte Abzüge wohl auf Ansichtskarten-Photopapier. Zustand: Album 2 mit lädierten Deckeln; staubig und berieben, sonst guter Zustand.

Das Konvolut wurde 2011 in München bei einem Antiquar erstanden. Beide Alben sind nur zu ca. 1/3 bis ½ der Seiten mit Bildern gefüllt, weder datiert noch beschriftet. Ob sie in einem chronologischen Zusammenhang stehen, ist unklar. Urheber war laut Auskunft des Antiquars ein Ingenieur Hans Keyser, der in den 1920ern für die Telefunken in China arbeitete. Keyser scheint bei der Archivierung der Photos nicht mit wissenschaftlicher Akribie vorgegangen zu sein: In den Alben sind private Photos, Bilder, die andere aufgenommen haben (Keyser ist oft gezeigt) und bei Photographen erworbene Bilder bunt gemischt; eine strenge Reihenfolge scheint nicht eingehalten (in Album 2 ist ein Bild doppelt enthalten, allerdings auf voneinander entfernten Seiten; dazu findet sich eine Szene, die ähnlich in Album 1 zu sehen ist).

Keyser hielt sich sicher in Shanghai und Peking und an der chinesischen Mauer sowie im kalten Norden des Landes auf; dies ist durch Photos belegt. Wahrscheinlich reiste er viel durch Kuomintang-China und errichtete Funkstation und lernte das chinesische Personal an. Möglicherweise entstanden einige Bilder des 2. Albums in Japan (auf 2 Bildern gezeigte Frauen scheinen Geishas in japanischer Tracht, ein Dampfer trägt einen japanischen Namen).

Hervorzuheben sind Bilder von Funkstationen und Sendern, ein Photo eines Doppeldeckers mit chinesischen Schriftzeichen, einige Eisenbahn-Bilder, Strassenszenen und Bilder mit Soldaten.

Die bemerkenswerten Bilder:

Album 1, China:
- 5 am Meer aufgenommene Portraits des Keyser und eines Chinesen; - Grabstein des Hinrich Tiedemann (geb. 1877), der Matrose an Bord der S.M.S. Arcona gewesen war und an Bord 1897 gestorben war; wohl in Tsingtao. - schwere Küstenbatterie (Tsingtao?). - 3x Dampfer und Hafen. - ca. 5x Strassenszenen, Tempel. - Chinesen an Tretmühle. - Treideln eines Bootes in engem Kanal. - Tsaokiatu Post Office [Tsaokiatu ist in Shanghai]. - 5 Strassenszenen. - Dampflok. - Chinese mit toten Schweinen. - Keyser auf Rikscha. – Markt; - US-Kriegsschiff im Hafen; - Dschunken im Meer; - vielleicht deutsches Gebäude in Tsingtao; - Hochhaus; - 6x Landpartie von Weißen; - Flugzeug mit chinesischen Schriftzeichen; - 4x Keyser und Chinesen auf Eisenbahnzug, Transport in Güterwaggons; - Keyser mit Rikscha und Uniformierten auf Strasse; - Kaserne (?) mit angetretenen Soldaten; - Strassenszene von Balkon; Keyser in Landestracht und Chinese in europäischer Kleidung; - Waggon mit Uniformierten; - uniformierte Chinesen mit Fahnen und Standarten in Stadt; - Turm mit chinesischen Soldaten; - Stadtmauer; - Festung (?); - 2 Portraitstudien eines chinesischen Photostudios mit Signaturen der Europäer und chinesischen Schriftzeichen (gezeigt Keyser mit G. Dadea, F. Engels (?), und M. Berger (?)); - lose beiliegend teils Szenen wohl der Abreise von China: Japanischer Dampfer „Saitsuma...“, winkende Europäer, Deutscher mit Fahne mit Eisernem Kreuz. Dazu etliche Bildern von Weißen, diverse Landschafts- und Architekturszenen.

Album 2, China (u.a. Peking, chinesische Mauer) und vielleicht Japan.
- 14x Mönche und Kloster; - große Sendeantennen; - Peking (2x Deshengmen-Tor, 2x Träger und Sänfte, Stadtmauer und Bus mit chinesischen Schriftzeichen; 2x astronomische Geräte auf Stadtmauer); - 3x chinesische Mauer; - ca. 10x Tempelanlage oder verbotene Stadt in Peking (?); - Chinese in Tracht; - offene Güterwaggons mit Chinesen; - anlegendes Schiff; - Tierstatuen in der Landschaft; - Hochhaus wie in Album 1; - Dschunken auf Kanal; - Europäer mit Chinesinnen (Japanerinnen? Geishas?; - Hafenszene mit Dampfern; - 2x Keyser mit älteren Weißen mit Christbaum; 5x weiße Jagdgesellschaft; 2x Keyser mit Chinese am Funkgerät; Funkgerät.
- dazu auch hier etliche Landschafts- und Architekturszenen sowie Portraits von Europäern.



Interessante Angaben zum Therma fanden sich in der 1998 an der Universität Freiburg erarbeiteten und 2005 beim LIT Verlag erschienenen Dissertation der Susanne Kuß „Der Völkerbund und China, technische Kooperation und deutsche Berater 1928-34”:

Drahtlose Telegraphie wurde in China 1905 eingeführt. 1911 kaufte die Marine 2 Radioeinrichtungen von Siemens-Telefunken. Diese wurden in Peking und Nanking installiert. 1918/19 schloss China Verträge mit weiteren Staaten, es entstanden zahlreiche weitere Stationen. 1927 gab es in Shanghai ca. 10.000 Radiohörer.
Die Regierung nahm es mit der Überwachung des neuen Mediums recht genau: Am 31.7.1929 wurde eine Verordnung herausgegeben, die Importeure von Funkanlagen zwang, beim Kriegsministerium einen Antrag auf die Einfuhr zu stellen. Bald darauf wurde die Einfuhr ganz verboten und das alleinige Recht zum Import dem Staat übertragen.
Siemens war in China seit 1872 tätig, seit 1910 betrieb die neugegründete Siemens China Co. eine Niederlassung in Shangahi. Zwischen 1921 und 1938 installierte Siemens diverse Fernsprechämter in chinesischen Städten, allein in Tianjin waren es 3 Automaten.
„Daneben vertrieb sie [Siemens China] auch Fabrikate der „Telefunken Gesellschaft für drahtlose Telegraphie mbH“ in Berlin, die in China keine eigene Niederlassung unterhielt … Anfang der 20er Jahre war es Telefunken zunächst nicht gelungen, Rechte für einen drahtlosen Funkverkehr in China zu erwerben. Erst nachdem 1923 die Telefunken-Betriebsgesellschaft „Transradio“ gegründet worden war, kam es zu Verhandlungen mit der mandschurischen Regierung.“ (S.280-281). Im Februar 1924 wurde ein Vertrag geschlossen, der den Funkverkehr zwischen einer Station in Shenyang (Mukden) und Nauen bei Berlin ermöglichte. Am 10.10.1928 kam es zu einem erneuten Abschluß, diesmal war die neue Kuomintang-Regierung der Vertragspartner: Siemens-Telefunken (Transradio) durfte nun eine drahtlose Station in Shanghai betreiben.
Anfang der 1930er-Jahr waren in China 56 Radio-Sendestationen errichtet. 24 stammten aus Deutschland (23 von Telefunken), 16 aus Japan, 8 aus den USA, 6 aus Frankreich. 1932 wurde eine Transradio-Großstation in Nanking eröffnet, der Sender hatte eine Stärke von 75KW. Diese Station war die größte in Asien und die drittgrößte der Welt. (SS. 278-283).

 


(c) Ingo Hugger  2009 | livre@cassiodor.com | Artikel |  RSS