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totenkopf1942.jpg

Jahr: 1942
Bemerkung:
ArtikelNr. 05622
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Waffen-SS Division Totenkopf, originale Dokumente Dezember 1942: Richtlinien für Julfeier

5 maschinenschriftliche Blatt, 4°, teils mit handschriftlichen Annotationen, Klammerbindung. Berieben, fleckig, Randläsuren, Faltfalz, gelocht, Eselsohren, letztes Blatt lose, sonst gut.
Die Dokumente fanden sich im Nachlaß eines ehemaligen Angehörigen der Totenkopf-Division. Es handelt sich um eine vom Stab der Abteilung VI der Division verfielfältigte interne Anweisung zum Vorgehen bei der Julfeier / Weihnachtsfeier 1942. Blatt 3 trägt verso eine mit Bleistift geschriebene Auflistung, auf Blatt 1 findet sich oben ein handschr. Kürzel sowie eine rote „2“.

Die Quelle wurde bislang wohl niemals publiziert, ob Sie in weiteren Exemplaren erhalten ist, erscheint fraglich. Besonders interessant sind einige „Kerzensprüche“, in denen sich die praktische Anwendung der SS-Doktrin widerspiegeln.
Die Division hatte 1942 im Zuge schwerer Kämpfe an der Ostfront ca. 80% ihres Personals eingebüsst. Zur Auffrischung verlegte man sie im Oktober 1942 nach Frankreich. Im Dezember des Jahres war sie zwischen Bézieres und Montpellier stationiert. Erst im Februar 1943 sollte die Truppe wieder im Osten eingesetzt werden.

Im Text heisst es: „SS-Pz.Gren.Div. „Totenkopf“, Abt. VI. Div.St.Qu. [Divisions Stabs Quartier], den 9.12.42. Richtlinien für die Julfeier. In der Zeit vom 21.-24.12.42 sind in allen Einheiten Julfeiern durchzuführen. Für ihre Vorbereitung und Durchführung gelten folgende Richtlinien: 1. Im Hinblick auf die Tatsache, daß der größte Teil der Division während dieser Zeit nicht bei seinen Angehörigen sein kann, ist der Abend mit einer der Bedeutung des Tages entsprechenden Feier einzuleiten. ... 6. In ihrem Mittelpunkt steht eine kurze Ansprache des Kdr. (Einheitsführers). Sie wird von folgenden Gedanken getragen sein: Bedeutung der Julfeier als altes germanisches Fest der wiederkehrenden Sonne und damit des wiederkehrenden Lebens, von dem gemeinsam Erlebnis der hinter uns liegenden Kampfes, von dem Gedanken an die Opfer, die dieser Kampf aus unseren Reihen gefordert hat ... und soll ausklingen in einem Bekenntnis zu unserem Führer. 7. Der zweite Teil des Abends ist ein kameradschaftliches Beisammensein sämtlicher Führer, Unterführer und Männer der Einheit. 8. Hierfür gelangen von der Abt. VI der Div. eine Anzahl von Truppenbetreuungsmitteln und eine beschränkte Anzahl von Kerzen zur Verteilung. 9. Über weitere zur Verfügung stehende Marketenderwaren und Mittel erfolgt Sonderbefehl der Abt. IVa der Div. ... Für das Divisionskommando: Der 1. Generalstabsoffizier gez. Schneider, SS-Sturmbannführer / F.d.R. [Für die Richtigkeit] ... [unles. Faksimilierte Signatur] SS-Hauptsturmführer.“
Blatt 2 bringt eine „Stoffzusammenstellung für Einzelsprecher zur Julfeier“, so Gedichte (von Baldur von Schirach und Hermann Claudius) und einen Text eines 1916 gefallenen Soldaten.
Blätter 3 bis 6 enthalten ca. 20 mehrzeilige „Kerzensprüche (Sprüche zum Entzünden der 12 Julkerzen)“. Wer jene Sprüche jeweils verfasste, ist nicht angegeben. Spruch 5 lautet: „In das Dunkel der Welt trugen die Arier das Licht: Vom Norden her kam der große Glanz, Wir gedenken ihrer, die Brüder unseres Blutes waren und sind; ihr Licht soll leuchten.“. Spruch 9: „Viele Dinge können auf dieser Erde verziehen werden, eins aber niemals, die Untreue. Wir SS-Männer handeln nach dem Gesetz der Treue. Das Licht unserer SS soll leuchten!“. 10: „Unsere Division ist eine verschworene Gemeinschaft, deren Leben unter dem Wahlspruch steht: Deutschland muß leben, und wenn wir sterben müssen. Ihr Licht soll leuchten!“.

Auf die Rückseite von Blatt 3 wurden handschriftlich nähere Angaben zur Feier eines ungenannten Stabes der Division eingetragen. So heisst es: „... 2. Kurz vor 19.00 Uhr stehen 10 Mann im Vorraum zur Abnahme der Garderobe. 3. Vor dem Essen wird nicht geraucht. 4. Bevor nicht der Kommandeur isst, isst niemand anderes. 5. Auf tadelloses Verhalten aufmerksam machen. 6. Gemeinsame Lieder, jeder fest mitsingen, vor allem bei Div.-Lied ... 7. keine Theke.“ In differierender Handschrift wurde auf dem Blatt dazu eine Liste von Offizieren wohl der Abteilungen 1, 4 und 5 vermerkt. Genannt sind einige Haupt- und Obersturmführer (so z.B. Heinlein, Schäfer, Seehaus, Knorr, Gerke, Sturm, Grützmacher, Gerlach).

 


(c) Ingo Hugger  2009 | livre@cassiodor.com | Artikel |  RSS