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fliegerhorst_pocking1943.jpg

Jahr: 1943-1944
Bemerkung:
ArtikelNr. 05463
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E-Mail

 
Luftnachrichten-Schule 3. Pocking in Niederbayern. Feldpost Kurt O., 14.6.1943 bis 28.7.1944

Konvolut von Feldpostschreiben aus dem Nachlass der ca. 1925 geborenen Resi O., damals wohnhaft in Langenfeld-Immigrath. Die Schreiben waren vor der Bearbeitung durch den Antiquar zu einem Päckchen zusammengeschnürt. Enthalten sind 24 Briefe, davon ca. 22 mit Umschlag. Etwas berieben, einige wenige Schreiben wurden einstmals nass, sie sind wellig und schwer lesbar, die Tinte wurde flau. Sonst guter Zustand, alle Umschläge mit Marken und/oder Stempeln.
Die Briefe entstammen dem Zeitraum vom 14.6.1943 zum 28.7.1944.

Absender ist der Gefreite Kurt Olewinski (L.N.S.3, 2.B.A.K.), der bis Mitte 1944 in Pocking an der Luftnachrichtenschule dient, anfangs in der 2. Schülerkompanie. Der letzte Brief wurde in der Luftnachrichtenschule 5 in Neubrandenburg geschrieben. Kurt scheint den Krieg überlebt zu haben, beim Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge ist unter seinem Namen keine Information gespeichert.

Resi und Kurt trafen sich wohl nie. Kurt wird anfangs am Fliegerhorst ausgebildet und später selbst zum Lehrer ernannt. Seine knappen Berichte vom Flugdienst sind recht spannend zu lesen, eher ermüdend fallen aus heutiger Sicht die vielen Zeilen aus, die Emotionen zum Thema haben.
Die Überlieferung ist nicht komplett, vor dem 10.6.1943 wurde wohl bereits ein Brief gewechselt.

An der Luftnachrichten-Schule 3 wurden Bordfunker ausgebildet. Gegründet 1937 als Luftflotten-Nachrichtenschule 3 in München, verlegte man die Anstalt 1939 nach Pocking bei Passau.

10.6.1943: „...Es freut mich, daß mein Brief so schnell beantwortet wurde. Wie ich daraus ersehe, würdest du gerne in einem Briefverkehr mit mir bleiben. Dass du Dich schon mit jemandem schreibst, macht mir nichts aus …., ich bin schon zufrieden, wenn ich ab und zu ein kleines Briefchen von Ihnen bekomme. … Allerdings muß berücksichtigt werden, daß es hier eine ganz ausgestorbene Gegend ist, bis zum nächsten Dorf läuft man 1 Std. und dort kann man auch nur ins Kino gehen und sich die Filme vom vorigen Jahr ansehen. Aber ich denke, dass meine Ausbildung hier auf der Schule bis spätestens Weihnachten beendet ist und es dann endlich zum Einsatz geht …..“
28.6.1943: „... Heute Nachmittag hatten wir hier eine Beerdigung, von uns sind nämlich 4 Maschinen bei einem Übungsflug abgestürzt u. die Kameraden dabei umgekommen. ..“
4.8.1943: „... Schlimm ist es ja, wenn wir Flugdienst haben, denn stelle Dir vor, bei der grossen Hitze mit der dicken Kombination bekleidet in der Kiste 5 St.sitzen ...“
21.8.1943: „... Der Dienst bleibt immer gleich, wenn wir nicht fliegen, ist von morgens bis abends Unterricht, Funken, Navigieren usw. …..“
31.8.1943: „...ich kam gerade vom Unterricht (Astro-Navigation) zurück. … Es war mir unheimlich heute, wir sollten die Sterne beobachten, ich habe aber nichts gesehen, mir fielen die Augen immer zu. … Es sollen hier nämlich bald Nachtflüge gemacht werden und da muss man sich nur nach Sternen zurechtfinden. … Heute morgen beim Flugdienst ging es auch toll zu. Das Wetter ist hier auch umgeschlagen, es war sehr windig und wir wurden in der Maschine tüchtig durchgeschüttelt. Ein Kamerad von mir war vollständig fertig, ich wollte sehen, wie es ihm ging, kaum bückte ich mich aber über ihn, als ich auch schon seinen ganzen Mageninhalt zu spüren bekam. Da war es aber auch um mich geschehen und ich durfte anschliessend 5 RM zur Säuberung der Maschine bezahlen. ...“
7.10.1943: „... Mein letzter Flug von 9 Std. ist mir leider zu schlecht bekommen und durfte mich ein paar Tage im Revier ausruhen. … Es ist auch möglich, daß ich noch einige Zeit hier als Lehrer bleiben muss. Ich habe mich sehr dagegen gewehrt, aber man kam ja dagegen nicht an. … Letzten Sonntag hatten auch wir hier Alarm, München wurde schwer mitgenommen. ...“
12.10.1943: „... ich habe gerade noch 2 Std. bis zum Start … Denn sonst ist die Zeit ja sehr knapp, da wir jeden Tag 6 St. fliegen u. ich hinterher für nichts mehr fähig bin. .. Ich bin gespannt, wie es heute wird, gestern beim Luftschiessen kam mir wieder alles hoch. ...“
23.2.1944: „...Wir hatten gestern und heute Großalarm. Unsere Jäger sind aufgestiegen und wir konnten ein schönes Schauspiel sehen, wie z.B. 2 engl. Bomber abgeschossen wurden. ...“

 


(c) Ingo Hugger  2009 | livre@cassiodor.com | Artikel |  RSS