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Jahr: um 1925
Bemerkung:
ArtikelNr. 05387
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Liebesbriefe 1925 – Heirat nach Annonce!

Konvolut von Briefen, Dokumenten und Photos aus einem Nachlass. Durch Quellen dargestellt wird die Anbahnung einer Liebe und die folgende Hochzeit. Kurios ist, daß sich das Paar durch eine Zeitungsannonce kennenlernte und wohl 2 Wochen nach dem ersten Brief beschloss, das Leben gemeinsam zu verbringen. Ein Photo um 1955 beweist, daß die Ehe hielt.

Die Stücke fanden sich in dem Photo- und Dokumentennachlaß einer Familie aus Neuruppin, der um 2006 bei Ebay ersteigert wurde.
Müllers betrieben von 1892 bis ca. 1955 eine Gastwirtschaft in der Schäferstrasse 10. Ein gastronomisches Unternehmen an der Ecke Schäferstrasse / Ludwigstrasse hatte seit 1885 bestanden. 1892 übernahm Wilhelm Müller, nunmehr hieß der Betrieb „Gasthaus Zur Prignitz“, später ab ca. 1920 „Gasthaus Zur Prignitz Schäfer-Müller“. 1930 führte Willi Müller, Wilhelms Sohn, bedeutende Erweiterungen durch und leitete das Unternehmen, in dem auch seine Söhne tätig waren, wohl bis ca. 1955. Ein anderes Konvolut zur Familie, das zahlreiche weitere Photos enthält, findet sich hier.

- Ca. 10 Liebesbriefe Willi (geb. 1894) – Helene (geb. 1898), 13.8. bis 7.9.1925. Zumeist ohne Umschläge erhalten. Willi und Helene lernten sich brieflich kennen, als sie ihn aufgrund einer von ihm aufgegebenen Heiratsannonce in dem gastronomischen Fachperiodikum „Küche und Keller“ anschrieb. Die Überlieferung setzt mit Helenes erstem Schreiben am 10.8.1925 ein. Zur Erinnerung: Bereits am 28.11.1925 heiratete das Paar, das erste Kind wurde am 16.12.1926 geboren.

Helene, 10.8.1925: „K.M. 9915. Unter Bezugnahme auf Ihre werte Offerte in Küche und Keller erlaube ich unterzeichnete [sic] mir, Ihnen unter strengster Diskr. [Diskretion] mein Anerbieten zu machen. Sie suchen auf diesem Wege eine Lebensgefährtin. Da sich mir bisher nicht solche Gelegenheiten boten einen passenden Lebensgefährten zu finden, wende ich mich heute vertrauensvoll an Sie. Bin 27 Jahre alt .. [unles.] Mutter auch tot. Vater wieder verheiratet. Seit meinem 18. Lebensjahr bin ich unter fremden Leuten und auf mich selbst angewiesen. ... Bild anbei (welches ich zurück erbitte) ...“

Willi, 13.8.1925: „Sehr geehrtes Fräulein. Im Besitz Ihrer geehrten Zuschrift vom 10. August 1925 Ihnen zur Kenntnis, daß ich nicht abgeneigt bin, Ihre werte Bekanntschaft zu machen. Seit 1918 aus dem Felde heimgekehrt bin ich Geschäftsführer in einem kleinen gut bürgerlichen Restaurant mit Frühstücksstube. Habe mir auch in dieser Zeit Ersparnisse gesammelt und gedenke nun mit Freude, Lust u. Liebe ans Werk zu gehen, mir eine Existenz zu schaffen. Eine Gefährtin, die mir mit Rat und Tat zur Seite steht, wünsche ich zu finden.... Ich entstamme einer guten Bürgerfamilie, stehe in einem guten Ruf und bin in der Lage, durch meine Kenntnisse eine Frau zu ernähren. Wenn Ihnen nach Ansicht meiner Photographie daran gelegen ist, mit mir in Verbindung zu treten, erbitte ich Ihrerseits Antwort. ...“

Helene, 15.8.1925: „.. Auch mich freut es , Ihre Bekanntschaft zu machen. Hoffe, Ihnen eine solche Lebensgefährtin zu werden wie Sie eine suchen. ... Meine Ersparnisse sind mir durch den Krieg verloren gegangen... Bin seit dem 15. April 25 hier [in Guben] in einem Berg Restaurant als Wirtschaftsfräulein. Hatte vorher ähnliche Posten in großen Häusern Schlesiens inne. ... Sollten Sie nun gewillt sein, ein Zusammentreffen erfolgen zu lassen, so bitte ich Sie, doch nach Guben zu kommen, da ich in Berlin fremd bin. ...“

Willi, 18.8.1925: „.. Ich bin angenehm überrascht von dem Inhalt Ihrer werten Zeilen vom 15.d.Mts. und werde gerne Ihrem Wunsche gemäß nach Guben kommen, sobald es meine Zeit gestattet. ...“ (Verschickt als Eilbrief, mit Umschlag).

Helene, 24.8.1925.

Am 26. oder 27. trafen sich die beiden in Berlin, da Willi nicht nach Guben reisen konnte.

Helene, 28.8.1925: „Mein lieber Willi, in Guben gut angekommen und auch wieder freundlichst aufgenommen will ich dir gern mein Versprechen einlösen und Dir einen lieben Gruß senden. ... Habe mich heute Morgen zur Genüge mit den den Deutschländers [den Arbeitgebern Helenes] ausgesprochen. Sie sehen alles ein und haben Verständnis für alles und werden mich auch zum 15. September frei lassen. ...“

Willi, 30.8.1925: „... Auch ich glaube fest an deine Liebe zu mir und freue mich an deiner Seite das Glück der Erde genießen zu können. ...“ (Dazu finden sich im Brief spannende Details aus Willis gastronomischen Arbeitsleben).

Helene, 1.9.1925.

[Ein Brief Willis fehlt].

Helene, 5.9.1925.

Willi, 6.9.1925.

Willi, 7.9.1925: Telegramm. „Bin Dienstag Friedrichstr. [Bahnhof in Berlin], Gepäck mitbringen. Willi“.

- 5 handschriftliche Arbeitszeugnisse für Helene Adler. Ehemalige Arbeitgeber bestätigen ihr gute Führung und Fleiß: Hotel zum Kynast in Hirschberg Schlesien (1.12.1922) / Berghotel zur Teichmannbaude, Bückenberg i. Riesengebirge, 9.3.1923 / Hotel Schlesischer Hof, Gleiwitz, 15.3.1924 / Kurhaus Bad Landeck i. Schlesien, 30.9.1924 / Engelmanns Berg, Guben, 7.9.1925.

- Hochzeit Willi Müller und Helene Adler am 28.11.1925. Zur Hochzeit sind zahlreiche Dokumente überliefert. Maschinenschriftliche Kopien von Reden und Liedern (Titel: Zur Überreichung des letzten Mädchenkranzes, Dem jungen Paar am Polterabend, Zur Überreichung des Kochbuches, Ein Hoch den Herren, Für Reni mit dem Bild aus der Schäferstrasse, Zur Überreichung von Kranz und Schleier, Gruß u. Zueignung an das Brautpaar, Tafellieder, Festgruß an die Gäste, Motto des heutigen Festes, Das Hochzeitsgeschenk, Studienplan für junge Ehemänner und –Anwärter ....) / gedruckte Festzeitung (4 Seiten, 4°) / 2 Menükarten, unten handschriftlich „Braut“ und „Bräutigam“ / handschr. Brief des Vorsitzenden des Neuruppiner Lehrergesangsvereins an Willi mit Gratulation zur Hochzeit.

- 2 aus Zeitung ausgeschnittene Geburtsanzeigen bzgl. des Sohnes Eckhard (geb. 16.12.1926) und der Tochter Rosemarie (geb. 30.11.1927).

- 14 s-w-Abzüge differenter Herstellung (Abzüge 6x9, Cartes-de-Visite, Ansichtskarten, auf Papier montiert), gezeigt ist Helene und wohl einmal ihre Mutter (um 1880). Man sieht Helene als junge Dame in Liegnitzer Ateliers, als Mädchen wohl bei der Konfirmation, als junge Mutter (1927 mit Sohn) und als ca. 60jährige Dame (einmal zusammen mit Willi). Eine CdV zeigt Willi.

- Ahnenpass von Willi und Helene, mit beiliegenden Geburtsurkunden.

 


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