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Jahr: 1914-1916
Bemerkung:
ArtikelNr. 05158
Besucher 1.628

 

E-Mail

 
Hartmannsweilerkopf 1916: Feldpost und Fotos: Artilleriebeobachter beim Bay. Res. FAR 9

Konvolut von 14 Feldpostbriefen (11 mit Umschlag, 3 aufklappbare Vordrucke) und 2 Photos aus einem Nachlass. Urheber ist der 1885 geborene Soldat Wilhelm (Willy) Bergler aus Nürnberg, der am 18.8.1916 im Sommeschlachtfeld fiel.

Die oft mit schönen Truppen-Poststempeln versehenen Feldpostbriefe sind an Willys Schwester Anna gerichtet, die von 1914 bis 1916 an der Haushaltungsschule in Nördlingen ausgebildet wurde. Die Überlieferung scheint indes nicht komplett erhalten zu sein: Zwischen Ende Januar und Mitte Mai 1916 klafft eine große Lücke.

Kurios ist der Zensurstempel auf dem letzten Umschlag: Der Brief wurde von Leutnant der Reserve Kalb geprüft, der gar seine Unterschrift auf dem Schriftstück hinterlassen hat.

Anhand der Feldpostschreiben lässt sich die militärische Laufbahn des Bergler ab 1914 gut nachvollziehen. Von September bis Ende 1914 wird er im Rekrutendepot zu Erlangen beim 10. bay. FAR ausgebildet: In den 4 Briefen dieser Phase berichtet er oftmals von der Ausbildung, die Schilderung einer nächtlichen Stallwache ist besonders schön zu lesen. Im Februar 1915 schreibt er aus dem Elsaß, er dient jetzt beim Regimentsstab des 9. bayerischen Reserve Feldartillerie Regiments. Der Stab ist Mitte Februar 1915 in einer „Hammermühle“ vielleicht bei „Walbach“ im Unterelsaß ungebracht. Im Mai des Jahres kämpft die Truppe im Münstertal. Im Oktober 1915 wird er vom Stab zur Munitionskolonne, im November dann zur 5. Batterie, im Januar 1916 zur 6. Batterie versetzt. Im Mai 1915 ist B. Gefreiter, im Oktober Unteroffizier, im Januar 1916 Vizewachtmeister.
Nach Belegung eines Offizierkurses dient er denn im Januar 1916 am HWK als Artilleriebeobachter.

Leider wurde die Regimentsgeschichte der Einheit nie geschrieben, sodaß weitere Informationen nur im Bayerischen Hauptstaatsarchiv Abtl. Kriegsarchiv zu finden wären.

Bildquellen:
- Portraitaufnahme des Soldaten in Holzpantinen, 8x11cm, aufgenommen April oder Mai 1916. Abzug auf dünnem Photopapier. Etwas berieben, minim randfalzig, sonst gut. Verso steht, mit Bleistift geschrieben: „Vz. Wacht. Willy Bergler, Armeeabteilung Gaede, 6. bay. Res. Division, 9. bay. Res. Feld Art.Reg., 6. Batterie. Am Kl. Hartmannsweiler Kopf vor meinem Unterstand.”
- S-w-Druck auf Ansichtskarten-Photopapier à 9x14cm, hinter Glas in einfachem Holzrahmen der Zeit. Das Bild zeigt das damalige Grab des Bergler.
Heute findet sich Berglers Name auf einem Kameradengrab im Soldatenfriedhof Rancourt im Sommeschlachtfeld. Ob seine sterblichen Überreste indes dort gebettet sind oder durch Artilleriefeuer zu Staub zermahlen wurden, ist nicht bekannt.

Feldpost. B. schreibt am 22.9.1914, 7.10.1914, 8.11.1914, 7.12.1914, 9.2.1915, 7.4.1915, 28.5.1915, 25.10.1915, 14.11.1915, 3.12.1915, 17.1.1916, 29.1.1916, 25.5.1916, 7.6.1916.
22.9.1914: „… Vor 6 Wochen werden wir wohl kaum fort müssen … Am Sonntag waren wir in Paradeuniform in der Kirche, dann wurden wir vereidigt, d.h. wir mussten schwören, uns dem Vaterland zu widmen. ...“
8.2.1915: „... Gestern war ich zum erstenmal in den Bergen. Der Schnee lag 50cm hoch. Wir waren 800m vom Feind, d.h. von den feindl. Schützengräben. Leider nur für 15 Minuten. Wie die Granaten eingeschlagen haben, haben wir wohl gesehen, doch wie wir aber waren, sind keine gekommen. Gaudi gibt’s bei uns immer. Lauter Bayern, 4 Nürnberger darunter. Da wird abends gesungen, gepfiffen, getanzt und erzählt. Ich kann kaum schreiben, so ein Leben ist hier. Eben singt alles ‚Das war in Schöneberg’. Dazwischen hört man wieder fernen Kanonendonner. ...“
28.5.1915 (Andolsheim): „... Wir sind auf einige Tage hinter der Front zur Ruhe gekommen. Wir haben bis jetzt immer geglaubt, von hier aus geht’s nach Italien, jeder hat sich schon auf Datteln + Orangen gefreut, aber unsere Pläne sind wieder einmal ins Wasser gefallen. Es geht wieder in das Münstertal in unsere alten Stellungen. ...“
25.10.1915 (Colmar): „... Von den lieben Eltern wirst du ja erfahren haben, daß ich nicht mehr beim Reg. Stab bin, sondern zu unserer Munitionskolonne versetzt wurde zur weiteren Ausbildung. Ich habe es jetzt etwas angenehmer als in Gunsbach im Keller. Hier in Colmat bewohne ich mit noch 2 U.O. [Unteroffizieren] eine kleine Villa ganz allein. ... Hoffentlich dauert diese Ausbildung nicht allzulange, denn ich mnöchte wieder vor. Hier merkt man vom Krieg gar nichts. Es ist so ruhig wie in Nürnberg. ...“
14.11.1915: (Wunzenheim ? Gunzenheim?): „... Seit 2 Tagen bin ich jetzt bei der 5. Batterie. Da ist auch ein Kurs eingerichtet für Einjährige, der ca. 3 Wochen dauert. ...“
3.12.1915: („Weier an Land“): „... Wir sind 25 Mann und haben genau eingeteilten Stundenplan. Früh von 8-12 und Nachmittags von 2-5 Uhr ist Unterreicht. ... 2 Mal in der Woche müssen wir die ganze Batterie beim Exerzieren befehlen, wenn die Batterie in Stellung fährt usw. ... Abends müssen wir dann Aufgaben machen + lernen, kurz + gut, wir sind wieder Schüler, nur mit dem Unterschied, daß wir nach einem großen Sieg nicht schulfrei haben. ...“
13.1.1916: „... Gegenwärtig habe ich einen recht interessanten Dienst auf einer unserer Beobachtungs-Stellen. Wie die Maulwürfe sind wir da auf einer Bergkuppe eingegraben. 3 Meter tief im Felsen ist unser Unterstand eingebaut, sicher gegen jedes Kaliber. Am rückwärtigen Hang, der natürlich von den Franzosen nicht eingesehen ist, geht der Gang hinein in die Blockhütte und von da aus unter der Erde vor zur Beobachtungsstelle. Von da aus hat man einen großen Rundblick auf unsere + die gegnerischen Stellungen. Meine Aufgabe ist es, mit dem Scherenfernrohr die Gegend abzusuchen nach fdl. Batterien und überhaupt die Bewegungen des Gegners festzustellen; dann schießen wir darauf. .... Übrigens haben wir hier die herrlichste Winterlandschaft die es überhaupt geben kann. Der Schnee liegt über ½ m hoch, doch mit dem Rodelsport ist es doch nichts. Auf dem rückwärtigen Hang liegen nämlich die abgeschossenen Bäume im Weg, und auf dem Vorderhang ist es deshalb nicht zu enpfehlen, weil die Franzosen in der Beziehung wenig Spaß verstehen ... Man käme auch wegen der Drahthindernisse nicht allzuweit. Ab + zu photographiere ich auch + werde Dir in einiger Zeit einmal ein paar Aufnahmen senden. ...“
27.1.1916 („Beobachtungsstelle 6/9“): „.... Übrigens will ich Dir noch etwas verraten: In 3-4 Tagen schicke ich Dir ein Bild von mir, als Vize-Wachtmeister! ... Eben fliegt in stockfinsterer Nacht ein Luftschiff (französisches) über uns hinweg. Wo das wohl wieder Bomben wirft?“
23.5.1916: „... Neben meiner Beob. Stelle habe ich mir ein kleines Rondell geschaffen, + da sitze ich abends + beobachte mir den Sonnenuntergang. Manchmal grüble ich auch nach, wenn der Krieg wohl ein Ende hat, doch da komme ich zu keinem bestimmten Resultat. Von zu Hause habe ich eine Prophezeiung bekommen, daß am 17. Aug. 1916 der Friede kommt. ... Das beiliegende Bild. Liebe Anna, habe ich nur wegen der Holzschuhe aufgenommen. Wenn du mir einen Gefallen tun willst, dann zeige es niemandem, denn es ist schauderhaft. ...“
4.6.1916 („Vogesen, H... [Hartmannsweilerkopf]“): „Bei uns regnet es den ganzen Tag + das Wasser läuft im Graben herab wie in einem Bach. Ich bin nämlich für 14 Tage abkommandiert zu einer anderen Beobachtungs-Stelle + bin gegenwärtig bei der Infanterie im Schützengraben. Der Unterstand, den ich mit dem Leutnant bewohne, ist sehr gemütlich eingerichtet + wir fühlen uns gar wohl. ...“

 


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