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Jahr: 1943-1944
Bemerkung:
ArtikelNr. 05073
Besucher 1.313

 

E-Mail

 
Feldpost und Fotos, Oberleutnant 1943-1944. Ausbilder in den Beskiden, Mielau, Bergen. Stubenarrest

18 Briefe ohne Umschlag, 28.11.1943 bis 27.5.1944. Es schreibt der Wiener Offizier Helmut an eine junge Frau aus München. Die Briefe teils zwei-, teils mehrseitig. Dazu 4 s-w-Photos, die den Soldaten zeigen. 3 Bilder wurden 1944 aufgenommen, eines 1942. Dazu 2 Postkarten seiner Mutter an die junge Frau (1944 und März 1945).

Oberleutnant Helmut ist in den 6 Monaten des Schriftwechsels als Ausbilder tätig, anfangs in Franckstadt (tschechisch Novy Malin, deutsch eigentlich Frankstadt an der Mährischen Grenzbahn) in Tschechien, ca. 60 km südlich Mährisch-Ostrau. Wahrscheinlich wurde er zuvor bei Kampfeinsätzen verwundet. Im Januar 1944 ist Helmut in Bruck (nahe Wien) auf der Schießschule zu einem Lehrgang abkommandiert.
Im Februar 1944 versetzt man ihn auf einen Truppenübungsplatz in Mielau in Ostpreußen oder Polen, im März nach Bergen bei Fallingbostel. Den letzten Umzug erlebt er als Transportführer, seine Einheit fasst 52 Eisenbahnwaggons!

Einige Zitate:
2.11.1943: „... Hier werde ich mich tödlich langweilen, da man für mich auch derzeit keinerlei Beschäftigung hat. ...“
15.11.1943: „... Zuerst übernahm ich eine Kompanie und da waren so viele Abstellungen ins Feld, dadurch hatte ich unheimlich viel Arbeit. ... aber nun habe ich morgen Kontrolluntersuchung und ich glaube aber schon, daß mein g.v.H.-Befund verlängert wird. ...“
19.12.1943: „... Heute hatte ich wieder sehr viel zu tun mit den Urlaubsgesuchen, man darf nur 25% fahren lassen und soll die dann doch so halbwegs gerecht verteilen. Das ist so schwer, da niemanden zu benachteiligen, so werde ich auch erst um 9 Uhr damit fertig. ...“
3.2.1944: „... Seit gestern sitze ich nun wieder hier in dem trostlosen Nest [Franckstadt] und sehe leider die Welt momentan nur grau. Es fing schon bei der Herfahrt an, das Abteil war vollkommen ungeheizt und eiskalt, dann verschlief ich auch noch Mährisch-Ostrau und mußte von Oderberg wieder zurück fahren. Hier fiel ich gleich dem Kommandeur in die Arme, der mir gleich sagte, daß mein Urlaub abgelehnt wurde und diese dumme Sache mit dem Fahnenflüchtigen erst geklärt werden müsse. Du hast ja keine Ahnung was das für Staub aufgewirbelt hat, der Oberst hat sich total darin verbissen und will jetzt unbedingt ‚Blut sehen’. Heute mußte ich schon eine Vernehmung über mich ergehen lassen .... Für Samstag bin ich zum Oberst befohlen, da wird sich ja doch die Sache vermutlich entscheiden. Mir ist jetzt schon alles so egal, von mir aus soll er mich bestrafen oder machen was er will. Diese ekelhaften Kriegsgerichtsfederfuchser finden ja aus allem etwas heraus und wenn er will findet er auch Gründe genug. Weißt du, ich finde es blos so erbitternd, daß man 3 Jahre seine Haut zu Markte trägt und dann wegen einer derartigen Sache, wo man doch wirklich nur helfen wollte, solche Schwierigkeiten bekommt. ... Weißt du, ich glaube es ist jetzt doch am besten man geht wieder hinaus, da hat man wenigstens vor solchen Sachen Ruhe. Mehr als eine verpaßt bekommen kann man auch nicht. ...“
9.2.1944: „... Du, denk dir, dieser feige Kerl von einem Lehrgangsleiter in Bruck hat tatsächlich eine Meldung gemacht, daß ich einige Tage weg war [Helmut besuchte die Adressatin in München]. ... Also wegen meiner Bestrafung ist noch nichts entschieden, gestern war ich beim Kommandeur ... aber er war sehr nett und wollte nochmal die Sache besprechen. ... soviel ich gehört habe, wollen sie mir 5 Tage Stubenarrest geben. ... Ich leg dir ein kleines Bildchen bei, das ich gestern bekam, es wurde im Februar 42 in Rußland aufgenommen. Zwar seh ich wie ein Neger aus aber damals war ich wirklich sehr braun.“
15.2.1944: „... Na, ich bin froh, daß jetz die Sache abgeschlossen ist, gestern war ich nochmals beim Kommandeur, er war wirklich sehr nett und gab mir noch Typs, wie ich den Stubenarrest am besten aushalten könnte. Er drückte das Strafmaß wirklich auf das Minimum herunter und verpaßte mir 4 Tage gelinden Stubenarrest, zu Deutsch: 4 Tage ausschlafen! Wegen dem Schwänzen in Bruck meinte er: ‚Ich hätte es genauso gemacht ... Also seit heute 0 Uhr bin ich ‚Sträfling’, das wird ja jetzt lustig, wenn mich jemand fragt und ich muß sagen ‚ich bin vorbestraft’. ... Sonst geht’s mir ganz gut, in meiner Bude lassen sich die 4 Tage schon aushalten, ich habe mir heute ein Radio von der Kompanie holen lassen, mit dem Essen wird’s ja auch klappen und mein Bursche wird ja mal hoffentlich noch etwas zu trinken auftreiben. Ich darf ja nicht das Zimmer verlassen und außer Burschen, Arzt und Pfarrer keine Besuche empfangen. ... Eine kleine Freude wurde mir ja auch inzwischen gemacht, am Samstag bekam ich endlich die Nahkampfspange. Das ist doch eine Auszeichnung, die man sich nur in der fordersten [sic] Linie holen kann und [die] nicht jeder Etappenheld bekommt. ...“
23.2.1944 [Versetzung nach Mielau]: „... Ich mache hier bei diesem Aufstellungsstab Adjutant, nur habe ich leider viel zu wenig zu arbeiten, sonst würde man nicht dauernd diese Trostlosigkeit merken. Die Verpflegung ist wenigstens recht gut und ausreichend, auch dürfte es allerhand zu trinken geben. Na, die Zeit hier werde ich auch aushalten, etwas besser als Rußland ist es auch noch lange ...“
25.3.1944: „... Jetzt hatten wir wieder einige hohe Besuche aus Berlin, dann kommt wieder mal jemand aus dem Führerhauptquartier. Mit den dauernden Verladungen hat man ja auch wahnsinnig viel zu tun, aber dadurch komme ich wenigstens etwas zum Autofahren. ... Die paar Stunden abends bin ich dann meist so müde, dass ich nach dem Abendessen gleich ins Bett gehe. Anfangs wurde man ja viel gezwungenermaßen von den Vorgesetzten eingeladen und da wurde doch ziemlich viel getrunken. Ich habe mich dann ganz zurückgezogen und fühle mich auch so sehr wohl. ...
Und dann ist ja auch der Mensch so, daß er leicht größenwahnsinnig wird. Wer in die Politik tief hineingestiegen ist, wird zum phantastischen Roulettespieler, er kann nicht mehr bei einem Erfolg oder Gewinn stehen bleiben ...“

 


(c) Ingo Hugger  2009 | livre@cassiodor.com | Artikel |  RSS