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E-Mail

 
Feldpost 1914-1915: Todesnachricht bzgl. Leist, Leutnant im 3. Garde Regiment / 1914-1915: Heimsbrunn, Badonwiller

Konvolut von Feldpostbriefen aus einem Nachlass. Die Schreiben erhielt Elfriede E., eine Mitarbeiterin des Augusta Hospitals in Berlin.

- Brief vom 2.10.1915 von Feldwebel Waldemar Mattern an E.:
„Sehr geehrtes Fräulein! Bitte seien Sie nicht böse, daß ich sie solange ohne Nachricht gelassen habe, die Umstände erlaubten es nicht. ... Unser lieber Herr Leutnant Leist ist am 2. August den Heldentod fürs Vaterland gestorben. Gegenüber lag die russische Garde. Mitags um 12 Uhr wurde die russische Stellung erstürmt. Kurz vor Einbruch in die feindliche Stellung schlugen mehrere schwere Granaten ein. Hierbei wurden viele verwundet bzw. getötet. Herr Leutnant Leist erhielt einen Granatsplitter am Kopfe; der Helm flog hoch in die Luft; der Tod trat auf der Stelle ein. Er wurde in der Nähe der Kirche des Dorfes Dobromysl mit vielen anderen gefallenen Offizieren zur letzten Ruhe gebettet.. ... Die sämtlichen Sachen habe ich seinem Bruder übersandt. ... Ungefähr eine Woche vorher äußerte er diesen Wunsch. Ich nehme regen Anteil an Ihrer Trauer, zumal er in der jungen Liebe ein Opfer des Vaterlandes wurde. ...“ (ohne Umschlag, 8°, 4 Seiten)
- Todesanzeige, ausgeschnitten aus Tageszeitung (4x6cm), für Martin Leist, gest. am 2.8.1915, Leutnant im 3. Garde-Regt. zu Fuß, Ritter des Eisernen Kreuzes“, Urheber die Berliner Burschenschaft Allemannia.

1915-1915, Badenweiler:
Absender Carl ist anfangs bei Heimsbrunn / Burnhaupt-le-Bas, später bei Badonwiller / Senones stationiert und in E. verliebt.
- Brief, dat. 6.10.1914, lok. Heimsbrunn. Carl ist bei Heimsbrunn im Elsaß stationiert und erlebt das Erstarren der Fronten mit: „... Man hat sich beiderseits tief in die Erde eingegraben, soweit möglich sichere Verhaue und Eindeckungen angelegt, da geschah plötzlich das Unerwartete: der sonst so vorsichtige Feind griff unsere ganze Linie mit Infanterie an, mutig und verschlagen. Die Unseren hielten aus bis tief in die Nacht da endlich war der Angriff abgeschlagen. Der Feldzug stellt auch große Angforderungen an die Nerven. Einige meiner Kameraden, sonst bisher tüchtig und tapfer, brechen schon unter dem Druck dieser psychischen Anstrengungen zusammenn & mußten zurück. ....“ (8°, 4 Seiten).
- Brief, dat. 12.11.1914, lok. Badenweiler, Reserve Lazarett Villa Hedwig (8°, 1 Blatt, nur ein Teil des Briefes).
- Brief, dat. 1.1.1915, lok. Badenweiler (heute Badonwiller). „... Ende Oktober wurde ich durch den Luftdruck einer ... in unserem Schützengraben krepierenden Granate zu Boden geworfen ... Die Weihnachtsfeier konnte ich infolge dessen nicht bei der Truppe verbringen. ...“ (8°, 8 Seiten).
- Brief, dat. 30.1.1915, lok. Badenweiler (8°, 8 Seiten).

Dazu 4 Stücke von anderen Urhebern:
- Brief, verschickt von Frau Pastor Leist an E., dat. 19.11.1915, lok. Herzfelde: „... Ich mußte beim Lesen viel an unseren Martin denken. Für uns alle hat er sein Leben gelassen. Und für ihn war ja der Heldentod das schönste. ...“
- Brief, dat. 15.3.1916, von Frau Leist an E., lok. Herzfelde: „... Es ist also Gottes Wille gewesen, daß er uns unseren lieben Sohn nahm. Doch der Schmerz ist immer noch so sehr sehr groß. ...
- Umschlag vom 27.8.1918 (nach Marché in Belgien, wo E. als Schwester beim Zivilkommissar Dienst tat).
- Brief ohne Absender, mit Umschlag. Auf Umschlag steht „Schwester Elfriede“. Innen Brief von 4 Seiten, enthaltend ein langes Gedicht. Wohl ein Präsent, welches die E. im Lazarett von einem Verehrer geschenkt bekam. Rührendes Stück, schwer lesbar.


Elfriede E., geboren am 26.2.1891, verlebte ihre ersten Lebensjahre in Vierraden in der Uckermark, wo ihr Vater Pastor war. 1906 zog sie nach Beendigung einer kurzen Schulausbildung zu den Eltern nach Krausnick im Unterspreewald, da der Vater dort eine neue Pastorenstelle angetreten hatte. Dort arbeitete sie in „Küche, Haus, Hof und Garten“ (Zitate aus einem handschriftlichen Lebenslauf der Elfriede). Dazu half sie ihrem Vater beim „Schreiben und der doppelten Buchführung des Raiffeisen-Vereins“. Am 1.10.1912 begann sie eine Tätigkeit als „Kursdame“ am Augusta Hospital in Berlin, nach 3 Monaten war sie „Hilfsschwester“. 1916 arbeitete sie nach mehreren Unterbrechungen zwar noch im Hospital, war aber mangels Schwesternexamen keine voll anerkannte Krankenschwester. Am 15.7.1916 musste Elfriede das Hospital verlassen, um ihre Eltern zu unterstützen, die mittlerweile in Groß-Machnow bei Zossen lebten. Anfang Februar 1917 bewarb sie sich um eine Arbeitsstelle bei Staat oder Militär – und wurde bereits am 13. des Monats zum Frauendienst ins besetzte Belgien einberufen.

 


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