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Jahr: 1907-1922
Bemerkung:
ArtikelNr. 04662
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Privatdruck Fidelio, 1907-1922: Mädchenpensionat Haus Reiffenstein. Weimar, Mondsee

Halbleinwandmappe, 4°, eingelegt ca. 39 Einzelhefte (20 hektographierte, 19 gedruckte) des für die ehemaligen Angehörigen des Pensionats gefertigten Periodikums „Fidelio“ (je ca. 10-30 Seiten). Enthalten sind Nummern 4, 5, 6 (mit montiertem s-w-Abzug 9x13cm), 7, 8, 9, 10, 11 (nur Titelblatt, das Heft fehlt), 12, 13, 14, 15, 16, 17, 18, 19 (mit montiertem s-w-Abzug), 20, 21, 22, 23, 24, 25 (ab hier gedruckt mit s-w-Titelbildvignette), 26, 27, 28, 29, 30 (Oktober 1914, ab hier ohne die Vignette), 31, 32, 33, 34, 35, 36, 37, 38 (Mai 1918, ab hier wieder mit Vignette), 39 (Januar 1919), 40 (montiertes Gruppenbild), 41, 42, 43. Teils von Hand mit Faden gebunden, teils Klammerheftung.
Einige Titelblätter lose, stockfleckig, wenige Ausgaben randfransig, sonst guter Zustand. Die Nummerierung „4“ für das erste Heft war ein Fehler, wie es in Nummer 5 heisst: „Irrtümlicherweise ist die vorige Nummer mit No. 4 bezeichnet worden, dabei war der Aufruf als I gedacht“. Das Konvolut enthält also ausser einer (März 1909) alle Ausgaben des Privatdrucks von 1907 bis 1921.

Das private Mädchenpensionat in der Pension Reiffenstein bestand wohl ab 1907. Bis Anfang 1920 logierte man in Weimar (bis Sommer 1913 in der Junkerstrasse 4b, danach bis Ende 1919 in einer Villa „am Horn 53“). Am 19.9.1919 verzog das „Pensionat“ gen Süden, anfangs nach Bayerisch Gmain, dann in eine (seit 1907 in Besitz der Familie befindliche) Villa am Mondsee bei Salzburg. 1922 wurde das Pensionat (und sein Periodikum) geschlossen.

Die seltene Quelle erzählt vom Leben in einem Mädchenpensionat im wilhelminischen Deutschland. Dazu bringen die Hefte zu Weimar und der Umgebung der Stadt eine Fülle spannender Informationen.
Die ehemalige Eignerin der Hefte, Leni Kirbach, war im Pensionat erzogen worden und wollte nach Beendigung des Aufenthalts den Kontakt zu Freundinnen und Frau Reiffenstein nicht missen – weshalb sie die „Zeitschrift“ mehrmals im Jahr zugesandt erhielt.

Die Hefte bringen „redaktionelle“ Beiträge einiger Damen, dann am Ende Interna zu ehemaligen Mitgliedern (Verlobungen, Heiraten, Geburten, Mitgliederlisten u.ä.). Abgedruckt sind neben künstlerischen Ergüssen (Lyrik und Kurzgeschichten), Pensionats-Interna (launigen Charakterisierungen der Elèvinnen, Beschreibungen von Ereignissen wie Fasching oder Theateraufführungen, Kochrezepte etc etc), biographischenTexten Ehemaliger („Brief aus Algerien“, „Erinnerung an Ehringsdorf“, „Weaner Prater“) auch viele Sachtexte („Etwas über die individuelle Verschönerung des eigenen Heims,“ „Zwei ethische Vorträge von H. von Willemoes“, „Der Confiszierkorb“, „Die Frau im Haus und im Beruf“). In einigen Heften sind Gruppenbilder der Pensions-Belegschaft und darunter zu jeder jungen Dame gedichtete Portraits enthalten.

Bemerkenswert ist das Zusammengehörigkeitsgefühl, welches die Damen entwickelt hatten. Ein Beispiel: Heft 36 (Juni 1917) liegt ein rosafarbener Zettel bei, auf dem steht: „Ihr lieben Reiffensteinerinnen. Wenn der Fidelio diesen Monat in Euer Haus geflattert kommt, werdet ihr wieder wie immer von den Ereignissen im lieben Hause Reiffenstein erfahren. Diesmal ist ein wichtiges und großes dabei, was da in aller Stille geschehen ist. Unser liebes Fräulein Li heißt nun – Frau Heckel! Ich glaube, daß Ihr alle, die Ihr die schönen Stunden bei ihr mit erlebt habt, gern einen Gruß und ein kleines Geschenk an sie senden möchtet. Wäre es nicht nett, wenn wir alle zusammen EIN gutes Stück senden würden? .... Also, liebe Reiffensteinerinnen, ich mache Euch darum einen Vorschlag! Jede, die sich an dem Allgemeingeschenk beteiligen möchte, sendet einen Geldbetrag (die Höhe natürlich nach Belieben und Kassenbestand) am besten an meine Adresse: ..... Wenn sie dann als junge Frau in ihr neues Heim einzieht, soll das Gedenken ihrer alten Schülerinnen sie mit vielen guten Wünschen begrüßen. ...“

 


(c) Ingo Hugger  2009 | livre@cassiodor.com | Artikel |  RSS