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Institut für Zeitungswissenschaft, Prof. d’Ester, LMU München 1945-1949. Konvolut

Konvolut aus dem Nachlass einer ehemaligen Studentin der LMU München. Die Frau studierte um 1948-1949 am Institut für Zeitungswissenschaft bei Karl d’Ester, sie scheint jedoch nicht abgeschlossen zu haben.

Karl d’Ester lebte von 1881 bis 1960. Von 1920 bis 1924 arbeitet er als Privatdozent am neugegründeten zeitungswissenschaftlichen Institut der Uni Münster. 1924 wurde er Professor am zeitungswissenschaftlichen Institut in München. 1954 ging er in den Ruhestand. 1946-1947 scheint er ob eines Dienstenthebungsverfahrens seine Professur verloren zu haben. Während der NS-Zeit verblieb d’ester zwar auf seinem Posten, tat sich jedoch nicht durch die Publikation von ideologischen oder propagandistischen Titeln hervor.

Skripten (je 4°, Klammerheftung, Typoskript) zu Vorlesungen des Professor Karl d’Ester.
- Scriptum der zeitungswissenschaftlichen Vorlesungen von Professor Karl d’Ester. Zeitungslehre I, Theoretischer Aufbau und praktische Arbeit (Herstellung im Schreibbüro Jungmaier in Gauting, 29 Seiten).
- Scriptum der zeitungswissenschaftlichen Vorlesungen von Professor Karl d’Ester. Die Weltpresse im Überblick (wie vor, ca. 100 Seiten, interessanter Text über die Geschichte der Zeitungen).
- Scriptum der zeitungswissenschaftlichen Vorlesungen von Professor Karl d’Ester. Einführung in die Zeitungswissenschaft (wie vor, ca. 40 Seiten, vorderer Deckel lose). Enthält u.a. den Text „Die Zeitungswissenschaft im 3. Reich“, in dem d’Ester, der bereits vor 1933 den Münchener Lehrstuhl für Zeitungswissenschaft inne hatte, verzweifelt versucht, seine demokratische Gesinnung hervorzuheben und sich vom Nationalsozialismus abzugrenzen. So heisst es z.B. über die Anti-Nazi-Tätigkeiten (SS.3) des Professors: „Um die Beziehungen zum Ausland weiter aufrecht zu erhalten, unternahm der Institutsleiter auch nach 1933 ausgedehnte Auslandsreisen. Unterstützung durch die Partei oder den Staat wurde nicht beansprucht. 1934 reiste er nach den USA mit der jüdischen Bernsteinlinie, 1935 nach Norwegen, 1936 nach Afrika. Bei einer Autofahrt durch die ehemalige deutsche Kolonie Tanganjika stellte er eine völlige Unkenntnis der deutschen Pflanzer über die Zustände in Deutschland fest und klärte sie auf. Die Folge war eine Anzeige des Pressechefs der N.S.-Partei wegen antinationalsozialistischer Propaganda beim Reichsstatthalter von Bayern.“
In einem Rundumschlag werden später auch NS-Autoren entlastet (S.5): „Es sind mehrere Fälle nachgewiesen, in denen in den Druckbogen einer Arbeit oder eines Buches Änderungen vorgenommen wurden, ohne daß die Verfasser davon unterrichtet wurden. ... Es wird im einzelnen Fall nicht mehr möglich sein, nachzuweisen, was von Außenstehenden aus parteipolitischen Gründen in eine wissenschaftliche Arbeit hineinkorrigiert worden ist. Deshalb ist es völlig falsch und auch ungerecht aus Stellen eines Buches Schlüsse auf die Haltung des Verfassers ziehen zu wollen.“
In abenteuerlicher Analyse der Tatsachen heisst es weiter im Skript: „Was durch unzählige Beweise erwiesen ist, gilt auch für die Z.W. Das deutsche Volk hat in vielen Kreisen den N.S. abgelehnt, es lebte aber unter einem solchen Terror, daß ein Widerstand äußerst gefährlich und nutzlos war. Auch in der Z.W. hat es Kräfte gegeben, die im Rahmen des Möglichen für Freiheit und Humanität kämpften ... Es ist aber höchst unfair, diesen mit erheblichen Gefahren verbundenen Kampf nicht nur zu bagatellisieren oder totzuschweigen, sondern ohne Kenntnis der Hintergründe aus einem unter ständigem Druck entstandenem Schrifttum Anklagen zu konstruieren. Das ist umso weniger berechtigt, als die Gegner des N.S. meist tatenlos zusehen mußten, wie man ihren Namen mißbrauchte, um damit der Partei zu nützen, weil man ihr Ansehen im Ausland fürchtete. ...“
- ZW Reihe Nr. 3. Internationales Zeitschriftenwesen (Sommersemester 1949) (25 Seiten, Deckel fehlen, dazu 7 Seiten „Literaturangaben zur Vorlesung“, ohne Deckel).
- ZW Reihe, No. 4/5. Geschichte der internationalen Presse, Teil I Wintersemester 1945/46, (31 Seiten, letztes Blatt lose, keine Deckel; dazu dass. als Doppel).
- dito Teil II, Sommersemester 1946 (29 Seiten).
- Literatur-Verzeichnis (ca. 12 Seiten).
- ZW Reihe, Die Sprache der Zeitung (8 Seiten, 2x vorhanden).
- Anhang zur Vorlesung: Druckwesen und Typographie (6 Seiten).
- 2 Ausgaben der Zeitschrift „Die Presse und wir, Mitteilungsblatt des Zeitungswissenschaftlichen Instituts der Universität München“, Nr. 4 (8/1949) und 5 (11/1949). Je 10 Seiten, 4°, „unverkäufliches Mitteilungsblatt für Mitglieder der Vereinigung ‚Freunde der Münchner Zeitungswissenschaft’ und Studierende der ZW.
- Handschriftliche Mitschrift eines Seminars bei d’Ester, begonnen 4.10.1948 (1 Seite), handschr. Mitschrift eines Vortrags über aktuelle Zeitungen etc. und einer Vorlesung o.ä. zu Goethe (ca. 30 Blatt), beides in Heft (8°, kartoniert).
- Heft mit ca. 4 Blatt zur Literaturgeschichte.
- Entwurf eines Schreibens an Bundespräsidenten Theodor Heuss, enthaltend Fragen zur Zeitschrift „März“ (deren leitender Redakteur Heuss von ca. 1912 bis 1917 war).

 


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