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belgrad1941.jpg

Jahr: 1940-1944
Bemerkung:
ArtikelNr. 04517
Besucher 3.716

 

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Fotoalbum Wehrmacht 1940-1944: Frankreich, Jugoslawien, Belgrad. Ca. 330 s-w-Fotos

Photoalbum aus dem Nachlass eines aus Brandenburg stammenden Wehrmachtsangehörigen, quer gr.8°, Leineneinband, Kordelbindung, ca. 30 kartonstarke Blatt, zwischengebundene Pergaminblatt, ca. 330 montierte s-w-Abzüge à 6x9cm. Das Album ist sauber beschrieben, ca. 2 Bilder fehlen, eins liegt lose bei. Einband etwas berieben, sonst guter Zustand.

Das Album wurde sicherlich erst nach 1945 angelegt, die Bilder wurden wohl indes während des Krieges vergrössert (und verso handschriftlich beschriftet). Der Soldat hat die Photos in teils kritischem Ton betitelt, was der Nachwelt einen bisweilen eher ungewöhnlichen Einblick ins Kriegsgeschehen liefert. So dokumentiert er die Bombardierung ziviler Ziele in Belgrad durch die deutsche Luftwaffe im April 1941 in Wort und Bild. Für manche Vorgesetzte scheint er tiefe Verachtung empfunden zu haben.
Der 1940 ca. 35 Jahre alte Mann absolvierte seine Ausbildung in Görlitz und gehörte denn dem Wachbataillon 592 (3. Kompanie) an. Die Einheit wurde später in Infanterie-Lehr-Bataillon 592 umbenannt. Ostern 1941 versetzte man den Soldaten nach Serbien, er scheint primär in Belgrad im Etappendienst (beim „G.B.W. Belgrad“) tätig gewesen zu sein.

Hervorzuheben sind die zahlreichen Bilder von Belgrad, denn der Soldat photographierte sowohl Zerstörungen als auch intakte Gebäude (Schloss, Parlament, Kalemegdan, Brücke nach Semlin in Trümmern und wiederaufgebaut, zerstörte Brücke über die Donau ins Banat). Vom militärgeschichtlichen Standpunkt betrachtet, ist das Album unbedeutend: Waffen, Material und Fahrzeuge sucht man vergebens. Doch die zahlreichen Bilder von Belgrad und der französischen Etappe scheinen mir eher selten.
Bemerkenswert sind die Bilder der Funkstation von Semlin, denn von hier aus sendete der Soldatensender Belgrad (auch Radio Belgrad) das Lied „Lili Marleen“ über den Äther.

Frankreich: 1940-1941 diente er teils an der Demarkationslinie zwischen dem besetzten Frankreich und dem von Vichy aus regierten französischen Marionettenstaat (bei Perrecy-les-Forges, Bragny-en-Charollais), teils als Wache und auf Lehrgängen in verschiedenen Orten des Landes. Etliche Bilder zeigen auch touristische Ziele (Radtour durch das Departement Saône-et-Loire, Montreau-les-Mines, Savignes, Dijon, Gergy, Chalons-sur-Saone, Autun).

Balkan: Ostern 1941 wurde der Soldat mit seiner Einheit gen Osten transportiert. Anfangs scheint er Gefangene bewacht zu haben (Mitrovica, Ungarn, Osijek), später in und bei Belgrad Wachdienst versehen zu haben (Parlament, Sender Semlin), seine Truppe nennt er „G.B.W. Belgrad“. Untergebracht war er in Semlin. Auch in Begleitkommandos war er eingesetzt. Im Mai 1943 verbrachte er ca. 2 Wochen auf Kur im Radiumbad Niska Banja, im April 1942 aus unbekanntem Grunde in Saloniki. Die letzten Kriegs-Seiten des Albums wurden während einer Donaufahrt an Bord der S.Misic im Juli 1942 aufgenommen. Es folgen einige in der Heimat geschossene Naturbilder und auf der letzten Seite der Reim „Alles wandelt sich – und uns – über Zeit und Raum; dabei doch verwunderlich schmal des Daseins Saum!“.

Einige Bild- bzw- Seitentitel: Fünf Jahre besten Lebens für die Wehrmacht, vom 14.6.1940 bis 21.7.1945; erster Ausgang 7.7.1940, 3 Zweifler; Fernsprech-Lehrgang in Dijon-Longwyk; Perrecy-les-Forges, es hätte sein können Glück und Behagen und war grauenvoll durch einen Unteroffizier! Ich will es nie vergessen; Herr Oblt. geruhen zu spielen [das köstliche Bild zeigt einen Offizier auf einem Schienen-Motorrad]; in Mitrovica Gefangene sammeln, bei Volksdeutschen eingeladen, ungarische Polizeistreife; Komp.-Chef, ein ‚Vorbild’, Hans Feiler, München; Verkehrsposten in Semlin; Bestattungskommando vom G.B.W. in Belgrad 1944; Slovenisch Brod (Save) 29.4.41; Savebrücke bei Sabac 22.8.42; Begleitkommando von Belgrad nach Ucize 1942; Festtag in Kroatien, Volkstrachten am Tage der Unabhängigkeit; Soldatenheim in Semlin; Kurzwellen-Sender Semlin; Abendstimmung auf dem Sendegelände Semlin; Panorama von Belgrad von Semlin (Türkenturm) aus gesehen; versenkter Raddampfer; Belgrads militärische Ziele bombardiert von der deutschen Luftwaffe im April 1941 [Bilder von zerstörten Häusern]; Belgrad, Königsschloss mit ‚Bombenerfolg’ 1941 und warum?; auf dem ‚Avala’, dem Wahrzeichen Belgrads; Veste Belgrad; Heldenfriedhof in Saloniki.

 


(c) Ingo Hugger  2009 | livre@cassiodor.com | Artikel |  RSS