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Jahr: 1940
Bemerkung:
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Photoalbum: Wehrmacht 1940. Funkerausbildung (N.A. 7) Ebingen, Reserve-Lazarett Bad Urach. 134 Bilder.

Photoalbum, quer gr.8°, Ledereinband mit montiertem Hoheitsadler (und weggeschliffenem Swastika), Kordelbindung, ca. 25 kartonstarke Blatt, zwischengebundene Pergaminblatt, ca. 170 teils montierte, teils in Klebeecken eingeschobene s-w-Abzüge differenter Formate (4x5cm bis 7x9cm), oft auf Agfa Brovira und wohl Lupex. Die Photos sind handschriftlich nummeriert (und oft auch verso betitelt), 2 eingebundene Blatt am Ende des Albums enthalten genaue Bildbeschreibungen. Etwas berieben, sonst guter Zustand.

Photoalbum Nr. 5 von 7 aus einem Nachlass. Enthalten sind hier Bilder, die zwischen Weihnachten 1939 und ca. Juli 1940 von einem um 1917 geborenen Mann aufgenommen wurden. Der Mann stammte aus vermögender Familie aus Gauting bei München und scheint sich bereits früh für den Nationalsozialismus begeistert zu haben. Er war Mitglied bei SA und allgemeiner SS und machte von 1938 bis 1942 eine von RAD-Zeit und (eben in dem Album dokumentiertem) kurzem Wehrdienst unterbrochene Ausbildung zum Schullehrer.
Das Album umfasst Bilder, die der Mann im Zuge seines Wehrdienstes bei einer Funker-Abteilung (der Nachrichten-Abteilung 7, die zur 7. [Münchener] Infanteriedivision gehörte) machte. Der Soldat schoss dabei schöne Photos vom Truppenübungsplatz Heuberg und den Orten Ebingen und Tailfingen (heute zu Albstadt gehörig).
Dazu sind Bilder enthalten, die anlässlich eines Lazarett-Aufenthaltes im Sommer 1940 (wohl Juni und Juli) in Bad Urach und Umgebung entstanden. Woran der Mann erkrankte, bleibt unklar. Vielleicht halfen ihm Kontakte zu hohen Parteifunktionären oder die Tatsache, daß Lehrer geschont werden sollten, dem Kampf im Westen zu entkommen.
Das 1930 fertiggestellte Gebäude, in dem das Reservelazarett untergebracht war, steht noch heute, es nennt sich „Haus auf der Alb“.

Die Bilder. Ebingen, Nachrichten-Abteilung 7: 3x Kameraden zu „Kriegsweihnachten 1939“ (in München bei N.A.7); 1x angetretene Soldaten in Kaserne („die Abstellung, 13.1.1940“); 4x Soldaten „auf dem Heuberg“ (Soldaten im Schnee mit Funkgeräten, ca. Februar 1940); 2x „Am Schießplatz“, 2x angetretene Soldaten im Schnee; 3x „Landlingen 15.2.1940“ (Wirtshaus, Frau); 1x Protagonist auf Pferd („Winterlingen“); 2x Soldaten mit Sprechfunk („Sprechstelle Tailfingen IV 1940“); 7x Soldaten; 10x Dorf (Ebingen, schöne Bilder von Häusern und Strassen, u.a. „der rote Kasten“, „Saugraben, alter Stadtturm“); 2x Pferde im Stall; 1x marschierende („Marsch zum Schießplatz) und 1x rastende Soldaten; 2x Offiziere (Stab), 1x „Schreiber am Stand“; 2x „Blick auf Straßberg“ (im Schnee); 5x Kapelle bei Straßberg („Sprechstelle 9“, kurios: verkabeltes Gebäude); 4x LKW-Unfall („geschleudert“); 3x Schloß Hohenzollern Ostern 1940; 1x Tübingen Burgtor Ostern 1940; 10x sehr junge Mädchen (wohl in Ebingen, Nachnamen: u.a. Jerg, Lang); 8x junge Frauen (dabei Hella Ketterer im Juni 1940 bei Ruine Falkenstein); 1x Ortsansicht Schramberg; 4x Familie Ketterer bei Ausflug.
Die Bilder, Reserve-Lazarett Urach: 6x Urach (ua Blick von Hohenurach); 1x Protagonist auf Balkon des Lazaretts; 9x Mutter und junge Frau im Wald und bei Ruine Hohenurach (1x Wasserfall); 3x „Schafe im Lazarettgarten“; 1x Chefarzt; 4x Soldaten; 1x Schwimmbad; 1x Schwestern; 3x Protagonist und Kameraden; 2x dieselben in Urach; 1x beigelegtes loses Blatt „Reserve-Lazarett Urach, den 11.Juni 1940: Programm-Folge zum Bunten Abend am 11.6.1940. .... einige kranke Soldaten des Lazaretts sowie Angehörige des San.-Personals versuchen Sie durch selbstgemachte und selbst erdachte Stücke am heutigen Abend zu unterhalten. ...“ (14x20cm, Schreibmaschine); 14x Schauspieler des Bunten Abends (3x als General, 6x als Frauen (auch Protagonist), 2x Clown, 2x alte Frauen, 1x Feuerwehrmann); 6x Frau auf Felsen (1x mit erotisch ungewollten Blick auf das Höschen der schönen Trudl); 5x weibliches Personal des Lazaretts (Lotte Kramer, Margot Bauer); 2x Gertrud Genzinger und Kameraden mit PKW; 5x divers in Urach (Kurpark, Schild „Hunde an die Leine“, Protagonist mit seiner Mutter); 4x Blick vom Lazarett in den Garten (2x mit Schafen), 1x Blick auf Urach; 5x schlafende Kameraden (2x nackt auf Balkon); 2x Kamerad am Klavier; 4x Protagonist in Dettingen beim Kirschenpflücken; 4x Häuser in Ulm; 2x Ulmer Münster.



Wikipedia schreibt zum Lazarett-Gebäude (Stand 7/2009):
Das Haus auf der Alb in Bad Urach am nördlichen Rand der Schwäbischen Alb wurde 1929/1930 als Kaufmannserholungsheim im Stil der klassischen Moderne errichtet. Es steht nach wechselhafter Nutzungsgeschichte seit 1983 unter Denkmalschutz und wird seit 1992 als Tagungsstätte der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg genutzt.
Die erste Grundsteinlegung des Hauses am Uracher Albtrauf erfolgte bereits 1916 im Beisein des württembergischen Königs Wilhelm II., doch der Erste Weltkrieg und die Inflation verhinderten letztlich seine Realisierung. Erst im August 1929 konnte nach neuen Plänen des Architekten Adolf Gustav Schneck mit dem Bau begonnen werden. Bereits im Juli 1930 wurde das Haus auf der Alb als Kaufmannserholungsheim eröffnet. Die Festrede hielt der württembergische Staatspräsident Eugen Bolz, der das Haus als ein „Sinnbild des Friedens“ bezeichnete.
Bauherr und Betreiber des Hauses war die Deutsche Gesellschaft für Kaufmannserholungsheime (DGK) mit Sitz in Wiesbaden. Gleich nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 wurde es jedoch als „Kraft-durch-Freude-Heim“ der Deutschen Arbeitsfront gleichgeschaltet. Von 1939 bis 1945 war es Reservelazarett, zwischen 1945 und 1950 zuerst kurze Zeit unter französischer Besatzung Ferienkolonie für Kinder aus Frankreich, anschließend Versorgungskrankenhaus für Gesichts- und Kieferverletzte. Nach einer Sanierung wurde es zu Beginn der 1950er Jahre wieder als Erholungsheim genutzt, bis die DGK auf Grund finanzieller Schwierigkeiten 1974 den Betrieb einstellte und das Gebäude verpachtete.
Im Jahr 1983 drohte der Abriss des inzwischen verwahrlosten Hauses, der jedoch durch die Denkmalschutzbehörde verhindert wurde. Es wurde als „Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung“ in das Denkmalbuch eingetragen. Ende 1985 kaufte das Land Baden-Württemberg das Haus auf der Alb und investierte knapp 20 Mio. Mark in seine Modernisierung (Architekt Hellmut Kuby, Nürtingen). Am 6. Februar 1992 wurde es, versehen mit dem Prädikat „Auszeichnung guter Bauten“ des BDA Bund Deutscher Architekten, vom damaligen Ministerpräsidenten Erwin Teufel als Tagungsstätte der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg eingeweiht.

 


(c) Ingo Hugger  2009 | livre@cassiodor.com | Artikel |  RSS