cassiodor

Home | Über uns | Impressum | Datenschutzerklaerung | AGB 
home > Militaria > 1914-1918 > Photoalbum

 

marché.jpg

Jahr: 1917-1918
Bemerkung:
ArtikelNr. 04341
Besucher 2.027

 

E-Mail

 
Belgien 1917-1918: Kreiswirtschaftsstelle Marché - Theux, Großes Hauptquartier in Spa. Konvolut aus Nachlass

Konvolut aus dem Nachlass der Elfriede E., ehemals Fürsorgeschwester bei der Kreiswirtschaftsstelle Marché. Das Konvolut besteht aus ca. 10 Schriftstücken und ca. 50 s-w-Photos.

Elfriede E., geboren am 26.2.1891, bewarb sich Anfang Februar 1917 um eine Stelle als Fürsorgerin und wurde am 13.Februar 1917 zum Frauendienst ins besetzte Belgien einberufen. Dort verblieb sie als Mitarbeiterin der Kreiswirtschaftsstelle Marché bis zum 4.9.1918, als sie einen Heimaturlaub antrat, der bis Kriegsende dauern sollte.
Elfriedes Aufenthalt in Marché scheint recht angenehm verlaufen zu sein. Sie war mit 2 weiteren Helferinnen in der Villa du Monument untergebracht, die auf den Bilder „Dreimädelhaus“ genannt wird. Offiziere (die wohl oftmals im Großen Hauptquartier in Spa Dienst taten) scheinen in jenem Haus regelmässig verkehrt und vertrauten Umgang mit den Mädels gepflegt zu haben. Man hat beim Betrachten der Bilder mehr den Eindruck, die Damen seien zu Zwecken des Amusements der Herren Offiziere in Marché eingesetzt, den zu Kriegsdiensten: Pelzmäntel und Muffs, edle Schuhe oder feine Hüte waren fester Bestandteil im Gepäck der 3 jungen Frauen.

Bemerkenswert sind neben einigen Schriftstücken (besonders Passierschein und Ausweis der Dame) einige Aufnahmen von Autos der Fahrbereitschaft Marché, sowie die zahlreichen gezeigten Etappen-Offiziere.




Schriftstücke:
- 13.2.1917. Einberufungsbescheid der „Zentrale für soziale Fürsorge beim General-Gouverneur in Belgien“ (21x17cm, ein Blatt, signiert, maschinenschriftlich, mittige Falz. sonst gut): „Sie sind zum hiesigen Frauendienst einberufen. Die Einreise-Genehmigung ist erteilt. Durch Vermittlung der Passzentrale ist bei Ihrem stellvertretenden Generalkommando der Passagierschein beantragt. ... Impfung gegen Pocken ist erforderlich. Ueber den Tag Ihres Eintreffens in Brüssel wird hier schnellstens Mitteilung erwartet.“
- 27.2.1917. Erneut ein Schreiben der obigen Behörde (21x17cm, ein Blatt, wie vor): Zur Anfrage vom 17.2.17. Nach Eintreffen in Brüssel ist sofortige Meldung bei der hiesigen Dienststelle erforderlich. Wohnung ist in der alten Sternwarte (Bischoffsheimlaan) zu nehmen.“
- 25.9.1917. Brief einer Erika [von der Osten]: „Es freut mich doch riesig, daß Sie sich so glücklich und befriedigt in Belgien fühlen“. ... Wie brennend gerne wäre auch ich in der Etappe. ...“
- 24.2.1918. Brief der Erika.
- 8.8.1918. Ersatz-Personal-Ausweis (21x11cm, ein Blatt, Stempel, ein Passfoto, sonst wie vor): „Pass-Zentrale Marche bei dem Militär Gouvernement der Provinz Luxemburg. ... Personal-Ausweis Nr. 19 (Ersatz für abgelaufenen deutschen Reisepass). Die Schwester Elfriede ..... hat heute ihren abgelaufenen Reisepass bei der unterzeichneten Behoerde abgeliefert. Vorliegender Ersatz-Personalausweis ist gueltig bis zum 17. ... Februar 1919 ....“. Verso mit Stempel „Gemeldet für ... Marche .. Deutsches Einwohner-Meldeamt, Kais. Deutsche Paßzentrale Marche“.
- 30.8.1918. Passierschein. (21x30cm, ein Blatt, zahlreiche Stempel, doppelseitig bedruckt, ein hinten anmontiertes und unterzeichnetes Blatt, signiert, Falzen, etwas fleckig, sonst gut). „Pass-Zentrale Marche .... Zur Ausreise aus dem Gebiete des General-Gouvernements... Passierschein für Elfriede .... mit jedem Verkehrsmittel ausser Kraftfahrzeug und Fahrrad ... Zweck: Urlaub. Von Marche über Lüttich Herbesthal nach Berlin, vom 4. September bis 4. Oktober 1918 [handschr. beigefügt „Die Gültigkeit wird bis zum 3. November 1918 verlängert, Marche den 18.10.1918] ... Grenze überschritten [Stempel „Durchlassposten 4.9.18, Herbestal Einreise“] ...“ Verso mit Bemerkungen in deutscher und französischer Sprache. „... Dieser Schein muss an die Paßzentrale Marche abgeliefert werden ...“. Dazu ein eigens von E. unterzeichnetes dreisprachiges Schriftstück: „Das Herüberbringen über die Grenze von nichtzensurierten Druck- und Schriftsachen aller Art, Photographien, insbesondere Zeitungen, sowie auch von unbeschriebenem Briefpapier ist verboten. ...“. Der Passierschein hat sich erhalten, da das Kriegsende einer Rückkehr der E. nach Marché verhinderte.
- 14.9.1918. Postkarte des Vaters, Militärpfarrer in Groß-Machnow, er bedankt sich für geschickte Zigarren und Geschenke.
- 31.10.1918. Brief des Zivilkommissars von Marché an Elfriede (21x27cm, stockfleckig, Falzen, Randläsuren, maschinenschriftlich). Zivilkommissar Beutner schreibt: „Liebes Quackelchen, ... um Irrtümer zu vermeiden, möchte ich Ihnen aber doch noch einmal schreiben, dass die hiesige Dienststelle sehr stark im Abbau begriffen ist. Höpfchen reist morgen fort, das Küken folgt Anfang nächster Woche. Der Laden, das Helferinnenheim hören mit Anfang dieser Woche auf, die Waschanstalt geht an die Etappe über. ... Akten und Schreibmaschinen sind heute früh schon zum erheblichen Teil nach Deutschland abgerollt. ... Dass ich in Deutschland Pöstchen zu vergeben haben werde, dafür sind die Aussichten bis auf weiteres recht gering. Im Gegenteil werde ich froh sein, wenn ich selbst ein Pöstchen habe ...“
- 1.11.1918. Zeugnis für Elfriede (wie vor, signiert von Beutner): „Frau Elfriede E. ist vom 1. April 1917 bis 4. November 1918 als Fürsorgerin beim Zivilkommissar in Marche beschäftigt gewesen. In der ersten Zeit ... war sie der Zweigstelle des Belgischen Roten Kreuzes überwiesen und hat in dieser Stellung durch Versorgung arbeitsloser Frauen und durch Unterstützung hilfsbedürftiger Familien deutschen Wohlfahrtszwecken gedient. ... Vom August 1917 bis zu ihrem Ausscheiden wurde sie dann von dem neugegründeten Wohlfahrtsausschuss im Marche übernommen. Sie hat in dieser Stellung die ihr obliegende Buch- und Kassenführung .. erledigt ... Mit dem Publikum hat sie stets in Ruhe und Freundlichkeit verhandelt. ...“ Dazu Abschrift des Zeugnisses von 1935 (mit Unschlag).
- 4.11.1918. Schreiben über Verleihung der „Rote Kreuzmedaille dritter Klasse“ (verliehen am 4.3.1916, ausgehändigt 4.11.1918, ein Blatt, 21x33cm, stockfleckig, verso Stempel „Der königl. Polizeipräsident Berlin“).
- 6.3.1920. Besitzzeugnis ... ist rechtmäßige Inhaberin des Verdienstkreuzes für Kriegshilfe ... (ein Blatt, 25x21cm, stockfleckig), ausgehändigt am 30.4.1920.
-30.3.1920. „Zivilverwaltung Belgien, Abwicklungsbehörden ...“ (ein Blatt, 21x17cm, Randläsuren), Beiblatt zur Übersendung des Verdienstkreuzes.

Photos (teils berieben und fleckig):
- Marché, Villa du Monument (s-w-Ansichtskarte 14x9cm von „Jos. Maréchal, Marche“, Druck, verso handschr. „Unterkunft der 3 Mädels in Marche“, etwas stockfleckig und berieben).
- Lebensmittelverkaufsstelle Marché (originaler s-w-Abzug auf Ansichtskartenpapier, 9x14cm, März 1918, verso von zittriger Hand betitelt. Gezeigt sind Elfriede E. und Elisabeth Wiederfeld, umgeben von männlichen Mitarbeitern).
- Automobile der Fahrbereitschaft Marché, 7 s-w-Abzüge (5x ein Mehrsitzer mit Reichsadler und Aufschrift „Kraftfahrstelle Luxemburg, Marche“ bzw. „Kraftfahrstelle Luxemburg, Fahrbereitschaft Marche“ (alle verso unbeschriftet, ca. 9x13cm), 1x Zweisitzer (9x13cm, verso steht „s./l. Willy, Marche, 3. Okt. 17, Leutnant Hoppe“, 1x Unfall (verso „1917“, 4x6cm)).
- Gruppenbilder im Garten Marché (8 s-w-Abzüge, 6x 9x14cm, 4x kleiner; gezeigt ein bis 5 Damen und Offiziere; oftmals jener Hoppe (oft mit Autofahrerbrille an der Uniformmütze), vielleicht auch der Prinz Georg von Sachsen-Meiningen; 2 Bilder zeigen alle Damen mit Zigaretten in den Händen (1x hinten datiert auf den 1.8.1918)).
- Gruppenbilder vor Mauer im Garten Marché (die Bilder entstanden an verschiedenen Tagen, gezeigt ist Leutnant Hoppe mit Elfriede und wohl der Wiederfeld, dazu andere Offiziere (ca. 9x14cm).
- Portraits der Mädel vor der Villa (7 Abzüge ca. 5x6cm, teils mit Ltn. Hoppe, 1x 9x13cm).
- Gruppenbild im Glockengarten zu Marché (6x8cm, privater Abzug, gezeigt 2 Damen und 2 Offiziere, hinten steht handschriftlich geschrieben „Glockengarten Marche 1917, Friedel Erxleben, Rittmeist. Klemm, Kriegsgerichtsrat Kaufmann [welcher beim Gouvernements-Gericht tätig war], Frl. Wiederfeld“).
- Gruppenbild von 3 Mädels in einem Soldatenheim (verso beschriftet, an den Seiten beschnitten, Text korrumpiert, 8x11cm)
- Portraits wohl in Villa du Monument (2x 8x10cm, Elfriede in schickem Kleid, dazu 1x Offizier, 1x Kollegin Elisabeth).
- Portraits der Mädels bei Ausflügen an unbekannten Orten (11 Abzüge ca. 6x8cm)
- Hoppe und Mädels in Kutsche (9x14cm).
- Villa mit schönem Garten (7x11cm).
- 2 Damen mit Hoppe und anderen Offizieren vor Schloß (Spa?, Verviers?, 12x7cm).
- Schloß mit Wache (9x13cm, Spa?).
- 2 Gruppenbilder, Offiziere und Mädel (wohl am selben Tag aufgenommen, je 8x6cm, einmal hinten „Frl. Wiederfeld, Lt. Hoppe, Lt. Wessel“, einmal „Herr Hoppe, Herr Körner, Frl. Wiederfeld, Lt. Wessel, Ich, Hpt. Halben“).
- 5 diverse Bilder.




SW: Foto Fotos Photo Photos Fotopapier Photographie Fotografie

 


(c) Ingo Hugger  2009 | livre@cassiodor.com | Artikel |  RSS