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Jahreskalender des Handelsvertreters Georg Bioneck, 1882 - ca. 1885

Jahreskalender für 1882. Ehemaliger Besitzer war ein Georg Bioneck aus Elz (bei Limburg a.d. Lahn), der als Reisevertreter für eine unklare Ware besonders Frankreich, aber auch England, die Niederlande und Deutschland bereiste. 12°, privater Leinwandeinband, ca. 150 Seiten, pro Seite 2 Tage. Titelei mit Läsuren und Fehlstellen, Seiten 29.10.-9.11. und ab 24.12. fehlen, Block fast vom Einband getrennt, einige Seiten lose; sonst gut. Fast jeder Tag wurde mit einem handschriftlichen Eintrag versehen. Die Quelle ist ob ihres Alters aussergewöhnlich. Ob die heute so alltäglichen Jahresplaner im frühen Kaiserreich in Deutschland im Handel waren, vermag ich nicht zu sagen - gesehen habe ich dergleichen allerdings noch nie, weder real noch virtuell.

Das Stück (Titel: „Agenda de Poche“) wurde in Paris gefertigt, eine Verlagsangabe findet sich nicht. Die Seiten 2-4 enthalten Namenstage, dann folgt die Jahres-Agenda. Bioneck hat handschriftliche Aufzeichungen zu verschiedenen Themen im Buch hinterlassen. Er schreibt von finanziellen Ausgaben (primär Kleidung), der täglichen Reiseroute mit Angabe der zurückgelegten Kilometer; den Geldsummen, die er nach Hause schickte („nach Haus geschükt 25 Gulden“ heisst es z.B. am 21.2.); den Hotels, in denen er übernachtete (dies während einer Deutschland-Reise). Aussergewöhnlich: Am 13.3. erwähnt er „ein Denkmal von 1870-71, ein Soldat auf Posten“, das er bei Soteville [?, die Schreibweise französischer Ortsnamen ist bisweilen fehlerhaft] gesehen hat; unter dem 24.9. findet sich eine kleine Zeichnung.

Bioneck war in Frankreich, Deutschland, den Niederlanden, der Schweiz und England unterwegs - sicherlich als Handelsvertreter, da er fast jeden Tag eine andere Stadt besuchte und in regelmässigen Abständen bedeutende Geldsummen nach Hause schickte. Es sind kurioserweise mehrere Reisen, die in verschiedenen Jahren stattgefunden hatten, im Buch verzeichnet, da die selben Tage mitunter mit differenten Ortseintragungen beschrieben und auch die Tageszählungen per Hand geändert wurden.
Die Reisetätigkeit des Bioneck dauerte von März bis Oktober, den Winter scheint er zu Hause bei seiner Familie verbracht zu haben - im Buch stehen bei den betreffenden Monaten nur wenige Eintragungen. Auf dem hinteren Einbaddeckel findet sich vielleicht ein handschriftlicher Hinweis auf die Ware, mit der Bioneck sein Geld verdiente: „Sirop Pagliano“ heisst es da.


 


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