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Jahr: 1919-1930
Bemerkung:
ArtikelNr. 03762
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Generalleutnant Wilhelm Richter: Fotoalbum 1919-1930, Freikorps, Art.Rgt.2

Fotoalbum 1919-1930 des Wilhelm Richter.
Fotoalbum aus dem Nachlass des Wilhelm Richter, der es im Zweiten Weltkrieg zum Generalleutnant brachte. Gesamt haben sich 4 Alben erhalten, hier geht es um Album 2, handschriftlich von Richter auf Vorsatz betitelt mit „2. Band, 1919-1930“.
Das Album (Quadrat 4°, Leineneinband, kartonstarke Seiten, ohne zwischengebundene Pergaminseiten) enthält ca. 110 montierte s-w-Fotos unterschiedlicher Formate, ausserdem montierte 4 Postkarten und eine Urkunde. Teils sind die Bilder handschriftlich auf den Albumseiten betitelt, wahrscheinlich oftmals auch auf den (nicht sichtbaren) Rückseiten. Beiliegend noch ca. 40 Bilder (großteils Fotos, sonst Postkarten) differenter Formate. Guter Zustand.
Das Album dokumentiert eindrucksvoll 10 Lebensjahre eines preussischen Artillerieoffiziers alter Schule. Sicher ist, daß der leidenschaftliche Reiter Wilhelm Richter im Dezember 1918 in Naumburg demobilisiert wurde und sich anschliessend dem im Januar 1919 aus der 21. Division gebildeten Hessisch-Thürngisch-Waldeckschen Freikorps (Feldartillerie-Abteilung) anschloss. Nach Auflösung des Freikorps im Oktober 1919, wohl ab dem 1.1.1921 (der Aufstellung der Truppe), spätestens ab 1923, diente er dann beim 2. Artillerie Regiment, und zwar bei der 3. Abteilung, die in Itzehoe kaserniert war.


Urkunde: Montiert auf einem Blatt des Albums ist eine Urkunde (4°, etwas randstockig, minime Läsur) erhalten, die der „Hilfsbund der Münchener Einwohnerschaft“ wohl an die Offiziere der Freikorps ausgab. Unterhalb einer Illustration des Ernst Liebermann (Soldat gibt Volk die Hand, im Hintergrund die Frauenkirche) steht ein Gedicht des Freiherrn von Ostini, darunter in Zierschrift „Oberleutnant Wilhelm Richter“. Daneben ein Autograph eines Generalmajors Möhl vom Bayerischen Oberkommando (d.i. General Arnold Ritter von Möhl, 1867-1944). Ganz unten ein Stempel: „Hessisch-Thüringisch-Waldeck’sches Freikorps, Feldart-Abt.“



Aufstellung: Lose beiliegend hat sich im Album eine Aufstellung (4°, 2 Blatt, Faltfalzen) wohl eines Teils der Artillerie-Abteilung des Freikorps erhalten. Auf einfachem linierten Papier sind die ca. 75 Soldaten der einzelnen Abteilungen einer ungenannten Truppe aufgeführt. Daß normales Papier und kein Vordruck verwendet wurde, macht die Annahme, daß hier Freikorps-Truppen provisorisch verzeichnet wurden, höchstwahrscheinlich. Dazu sind manche Namen durchgestrichen, andere in differenter Handschrift wohl erst nach dem ersten Verfassen der Aufstellung beigefügt worden. Richter ist sonderbarerweise nicht erwähnt, auch hat er das Blatt nicht geschrieben, denn es nicht seine Handschrift, die man dort liest.
Genannt sind die Soldaten von: Batterietrupp, I. Zug, II. Zug (1. Geschütz, 2. Geschütz, 3. Geschütz, 4. Geschütz), Staffel (I. Wagenzug, II. Wagenzug), Bagage (1. Lebensmittelwagen, 2. Lebensmittelwagen, 1. Futterwagen, 2. Futterwagen, Gerätewagen, Geschirrwagen, Schreibstubenwagen, Offiziersgepäckwagen, Schmiedewagen, Feldküche, Kutschwagen“).

Fotoalbum:
1919, Freikorps, München (15 Bilder, Urkunde, lose beiiegende Aufstellung):
Abgebildet sind Uniformierte, Pferde, Blick auf die Theatinerkirche, 4 Menschen in Zivil (Richter im „Januar 19“ beim „Ausflug nach Rengburg a.d.Unstrut“), eine Postkarte des „Freikorps Werdenfels in München im Mai 1919“ (mit einbelichtetem Signet „Photo Hoffmann, Schellingstr. 50“ - dies ist der spätere Hitler-Fotograf Heirnich Hoffmann), Richter mit Kamerad in Paradeuniform mit allen Orden und Rauchzeug im Munde, ein verwackeltes Frauenportrait („Hübsches Mädchen, München“), ein Foto-Postkarten-Portrait des Oberst von Kornatzki („Kommandeur des Hessisch-Thüringisch-Waldeck’schen Freikorps“, datiert „Sommer 1919“), eine Foto-Postkarte des Oberst von Selle (1914-1918 Kommandeur des IR 95), eine Kunstdruckpostkarte des Freikorps (zu sehen deutsche Soldaten, die Schlangen bekämpfen), ein Kinderportrait sowie aufgehängte Gemälde in einer Ausstellung (Postkarte, eines der Bilder könnte Richter zeigen). Dazu die separat aufgeführte Urkunde und die Aufstellung.

Art.-Rgt. 2, Itzehoe: (ca. 15 Bilder)
- 2 schöne Postkarten angetretener Soldaten mit Kanonen (2. Batterie 2. Art. Rgt. 28.1.1923; Art. Lehr Cursus 1925); - Innenleben („Stall“ und „Appell“ schreibt R.), Offiziere („Maj. Jeschke, Kdr. III/2“); - 9 Bilder 9x6cm (teils lose), gezeigt Jagdhunde und deren Nachwuchs in Zuchtanlage des „Schleppjagdvereins Itzehoe und Umgebung“ [so in Album 4]; - Postkarte, daneben handschr. „7. Battr. in Paradeaufstellung“.


Manöver oder Parade auf Truppenübungsplatz Münster, meist 1926 (ca. 11 Bilder)
- Hans von Seeckt auf Pferd (originaler Abzug als Postkarte, Generaloberst Seeckt [1866-1936, 1920-1926 Chef der Heeresleitung der Reichswehr] mit Pour-le-Mérite hoch zu Roß, „Seeckt!“ schreibt R. neben das Foto); - 3x Richter zu Pferde (ca. 6x6cm, wohl 1926); - 4 origin. Abzüge als Postkarten, jeweils mit einbelichteter Nummer, 1926, gezeigt Kanone mit Protze und Pferden, angetretene Truppe, hoch zu Roß und mit Pour-le-Mérite der Erich von Tschischwitz [1870-1958, 1.2.1923-11.1.1927 Kommandeur der 2. Div.), von Lossberg („... II / A.R. 2 u. 4. Batterie bei der Parade 1926, Münster“, „Exz. Tschischwitz Kdr. 3. Division 1926“, „Exz. v. Lossberg“ schreibt R.); - Reiter beim Sprung vor Publikum (12x9cm), Gespanne vor Publikum (8x5cm); Postkarten-Abzüge wie oben, Münster 1927, Rennen der Dauerläufer, Rennen zu Pferde, Batterie mit dem stolz lachenden R. an der Spitze („Sieg beim Sportfest ... Tradjens“, „Offz. Jagdrennen 27 Münster“, „7. Batterie“).

Jagden, Militär-Reitturniere: (ca. 60 Bilder)
Portraitfoto im Postkartenformat („Rittmeister Zeiss, Großer Reiter“ schreibt R. darunter, der Soldat wurde von Hofphotograph Klett in Stettin abgelichtet); Jagdgesellschaft mit Zivilisten und Uniformierten; photographisch erstellte Kopie einer handschr. Tafel „Königl. Militär-Reit-Institut 1816-1919“ (hier wurden alle Kommandeure und die Entwicklung der Reitschule erfasst, 15x21cm); wohl Richter als Reiter bei Reitturnier (Fotos wohl Hofphotograph Esch, Ludwigslust); Soldat mit Rappen; Reiter beim Sprung im Gelände bei Reitturnier (Originalabzüge und Postkarten, einmal lose und gelaufen, beschrieben vom Photographen bzgl. Preise der Bilder wg. Nachbestellung; ein spektakuläres Bild eines Sturzes); Postkarte des Fotograf Schneider in Vorstelde, gezeigt ein Offizier mit Pferd (R. schreibt seinen Namen daneben, jedoch unleserlich); Reiter beim Sprung bei Turnier (1924, Hannover, 1x lose, 12x17cm); „Hubertustag, Stettin 3.11.1924“ (orig. Abzug mit einbelichtetem handschr. Titel, gezeigt wohl der Kronprinz Wilhelm oder ein anderer hoher Adeliger inmitten bewundernd blickender Uniformierter in einem Walde); Mann und Frau bei Jagdgesellschaft; 5x Offiziere und Zivilisten bei Jagdgesellschaft (8x6cm); - 5 humorige farbige Kunstpostkarten nach Vorlagen eines Krueger, gezeigt Reiter auf Schimmel bei Turnier; - 11x Postkarten Reitgesellschaft („Jagd! Horridoh!“, 7x lose, Fotogtaf Tiedemann in Cuxhafen); 4 Abzüge 6x9cm Jagdgesellschaft; 11 Bilder einer Jagd bei Itzehoe, einmal mit Titel „Prinzessin ... [unles.] bei der Hubertusjagd“, einmal „Ostenhof [?] in Itzehoe“ (6x9cm); 2 lose Abzüge (17x11cm, Agfa Brovira, verso Stempel „Walter Winkelmann ... Preees-Photo ... Hamburg Eppendorf“, handschr. verso betitelt „Jagd bei Hamburg“ und „W. Richter“, Zivilisten auf Pferden in Heide, ein Sturz), dazu 1 Postkarte wohl ebda..


Militär, divers (ca. 28 Bilder)
- 2 orig. Abzüge als Postkarten, gezeigt Soldaten und Offiziere („7. Batterie in der sächsischen Schweiz 1929“ schreibt R.); - Offiziere; - Soldaten zu Pferde im Wald; - Portraits Richter (ca. 3x im Album, einmal lose in Schmuckdeckelchen, signiert von „E.v. Aspern“); - Sport (2x Gruppenbild in Trainingsanzügen, mit Richter, 18x12cm und 11x9cm; Richter „im Rhönrad“, 11x9cm; Gruppe beim Dauerlauf, 18x13cm; Kommandeur III AR 2 (Name unleserlich, 6x9cm); Abzug im Postkartenformat, Chef der Heeresleitung von 1926 bis 1930 August Wilhelm Heye (1869-1947) mit Pour-le-Mérite („Heye! Ch.d.H.L.“); - 3 Abzüge eines unklaren Sportfestes (12x8cm); - 4 schöne Abzüge „Wachtruppe Berlin, Jan./Febr.-Mai 1930“ (17x12cm, eine Postkarte).; - lose beiliegend 5 Fotos nach 1933, Offiziere nun mit Hakenkreuz-Reichsadler, einmal verso „1941“, Richter anhand seiner abstehenden Ohren 2x klar erkennbar.


Privatleben: (ca. 17 Bilder)
- Frauenportraits; Brigitte in männl. Hofkostüm um 1800; 3x Gruppenbild („Kostümfest im Kasino 1929 März“, ca. 15x12); - Gruppenbild vor Kriegerdenkmal („Traditionsverein Potsdam“, 17x13cm); Gruppenbild („Kostümfest bei Göpperts 1929“), - 6x Frau (1x daneben handschr. „1929! Verlobt!“); - Richter im Bademantel mit Frau im Badeanzug (8x6cm); Frau; Portrait einer türkischen Familie („Cevdet Bey! schreibt R., auf dem Abzug steht: „Istambul 10.7.1929, Eine kleine Erinnerung von meiner Wenigkeit an den Herrn Hauptmann Richter und Werte Frau Richter [„Frau Richter“ kurioserweise durchgestrichen, wohl war R. erst verlobt oder die Frau ihm davongelaufen], Itzehoe 10.1.1930, Cevdet“); 1x Richter mit Frau (6x8cm); Frau; 2 Postkarten München (1x Ehrentempel Königsplatz, 1x Oper), 1 Postkarte Hitler.


Wilhelm Richter wurde am 17.9.1892 in Hirschberg (Schlesien) geboren, er starb am 4.2.1971 wahrscheinlich in Starnberg.
1913, mit 21 Jahren, trat Richter als Fahnenjunker in das preussische Heer ein. Anfangs diente er beim 2. (thüringischen) Feldartillerie Regiment 55 und wurde dort am 15.6.1914 zum Leutnant ernannt. Im Januar 1915 wechselte er zum neugebildeten Reserve Feldartillerie Regiment 58 um hier bis Kriegsende zu verbleiben. Wahrscheinlich ernannte man ihn noch vor 1918 zum Oberleutnant.
Richter gehörte zu den wenigen Soldaten, denen nach 1919 eine Karriere als Berufssoldat ermöglicht wurde. Nachdem er das Jahr 1919 primär als Angehöriger des Hessisch-Thürngisch-Waldeckschen Freikorps verbracht hatte, übernahm ihn wohl 1920 die Reichswehr in ihre Reihen. Er diente sicher von 1923 bis 1931 beim 2. preussischen Artillerie Regiment, 1933 war er bereits Major. Die Aufrüstung unter Hitler beschleunigte Richters Fortkommen, 1936 ernannte man ihn zum Oberstleutnant, 1939 zum Oberst. Im Zweiten Weltkrieg hatte Richter verschiedene Posten inne: Vom 1.4.1938 zum 1.10.1941 befehligte er das Artillerie-Regiment 30, bis 1.1.1943 war er „Arko“ (Artillerie-Kommandeur) 35 in Frankreich, bis Ende 1943 stellvertretender Kommandeur der Luftwaffen-Feld-Division. Am 1.5.1943 ernannte man ihn zum Generalmajor, am 1.4.1944 zum Generalleutnant.
Seine historisch wichtigste Befehlsstelle hatte Richter 1944 inne, denn er befehligte zum Zeitpunkt der Landung der Alliierten im Juni 1944 die Kanalküste bei Caen (als Kommandeur der 716. „bodenständigen“ Infanterie Division vom 1.4.1943 zum 1.9.1944). Seine weitere Laufbahn bis Ende des Krieges ist nicht exakt eruierbar, in die Führerreserve - sprich den Ruhestand - scheint er jedoch nicht versetzt worden zu sein (Keilig erwähnt 2 Posten in Infanteriedivisionen bis Mai 1945).
Richter war preussischer Offizier der alten Schule, dazu Pferdenarr. In den 1930ern betätigte er sich neben seiner Position als Batteriechef auch als Reitlehrer einer Abteilung. Zahlreiche Fotos der Alben 2 und 4 zeigen Pferde, Reiter, Jagdgesellschaften zu Pferde und Jagdhunde.

 


(c) Ingo Hugger  2009 | livre@cassiodor.com | Artikel |  RSS