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Jahr: 1888
Bemerkung:
ArtikelNr. 03293
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Dreikaiserjahr 1888. 2 Dokumente zu Friedrich III, dem deutschen Kaiser und preußischen König von 1888. Friedrich Wilhelm von Hohenzollern, Sohn Wilhelm I., konnte die Geschichte nicht weiter prägen, da er am 15.6.1888 nach nur 99 Tagen Regierungszeit an Kehlkopfkrebs starb. Hier zwei Wandanschläge / Plakate von 1888, ein Aufruf zur Thronbesteigung und ein Extrablatt mit Neuigkeiten vom Krankenbett.

Aufruf „An mein Volk“ von Friedrich III. von Preußen anläßlich des Todes Wilhelms I. bzw. zur Thronbesteigung im Dreikaiserjahr 1888. 1 Blatt (34x42cm) mit farbiger Abbildung (27x22cm), zeigend Friedrich III. in Kaiserornat.
Zustand: 2 Falzen, etwas berieben, minimal fleckig, ca. 5 punktgroße Löchlein durch Falzen.

„An mein Volk! Aus seinem glorreichen Leben schied der Kaiser. In dem vielgeliebten Vater, den ich beweine, und um den mit Mir Mein Königliches Haus im tiefsten Schmerze trauert, verlor Preußens treues Volk seinen ruhmgekrönten König, die Deutsche Nation den Gründer ihrer Einigung, das wiedererstandene Reich den ersten Deutschen Kaiser! Unzertrennlich wird sein hehrer Name verbunden bleiben mit aller Größe des Deutschen Vaterlandes, in dessen Neu-Begründung die ausdauernede Arbeit von Preußens Volk und Fürsten ihren schönsten Lohn gefunden hat. Indem König Wilhelm mit nie ermüdender landesväterlicher Fürsorge das Preußische Heer auf die Höhe seines ernsten Berufs erhob, legte Er den sicheren Grund zu den unter Seiner Führung errungenen Siegen der Deutschen Waffen, aus denen die nationale Einigung hervorging. Er sicherte dadurch dem Reiche eine Macht-Stellung, wie sie bis dahin jedes Deutsche Herz ersehnt, aber kaum zu hoffen gewagt hatte. Und was Er in heißem opfervollem Kampfe Seinem Volke errungen, das war Ihm beschieden, durch lange Friedens-Arbeit mühevoller Regierungsjahre zu befestigen und segensreich zu fördern. Sicher in seiner eigenen Kraft ruhend steht Deutschland geachtet im Rate der Völker und begehrt nur, des Gewonnenen in friedlicher Entwicklung froh zu werden. Daß dem so ist, verdanken wir Kaiser Wilhelm, Seiner nie wankenden Pflichttreue, Seiner unablässigen, nur dem Wohle des Vaterlands gewidmeten Thätigkeit, gestützt auf die von dem Preußischen Volke unwandelbar bewiesene und von allen Deutschen Stämmen getheilte opferfreudige Hingebung. Auf Mich sind nunmehr alle Rechte und Pflichten übergegangen, die mit der Krone Meines Hauses verbunden sind, und welche Ich in der Zeit, die nach Gottes Willen Meiner Regierung beschieden sein mag, getreulich wahrzunehmen entschlossen bin. Durchdrungen von der Größe Meiner Aufgabe, wird es Mein ganzes Bestreben sein, das Werk in dem Sinne fortzuführen, in dem es begründet wurde, Deutschland zu einem Horte des Friedens zu machen iund in Übereinstimmung mit den verbündeten Regierungen sowie mit den verfassungsmäßgen Organen des Reiches wie Preußens, die Wohlfahrt des Deutschen Landes zu pflegen. Meinem getreuen Volke, das durch eine Jahrhunderte lange Geschichte in guten wie schweren Tagen zu Meinem Hause gestanden, bringe Ich Mein rückhaltloses Vertrauen entgegen. Denn ich [sic!] bin überzeugt, daß auf dem Grunde der untrennbaren Verbindung von Fürst und Volk, welche, unabhängig von jeglicher Veränderung im Staatenleben, das unvergängliche Erbe des Hohenzollernstammes bildet, Meine Krone allezeit ebenso sicher ruht, wie das Gedeihen des Landes, zu dessen Regierung Ich nunmehr berufen bin, und dem Ich gelobe, ein gerechter und in Freud wie Leid ein treuer König zu sein. Gott wolle Mir Seinen Segen und Kraft zu diesem Werke geben, dem fortan Mein Leben geweiht ist! Berlin, den 12. März 1888. Friedrich III.“ [Druckvermerk unten: „No. 8464. Neu-Ruppin zu haben bei Gustav Kühn“, darunter handschr. „Karl Himmelstoß“].


Extrablatt des Kasseler Tagblatt und Anzeiger, 1888. Verfasst und herausgegeben von Adolf Gotthelft. 23x53cm, dünnes Papier, einfarbiger Druck. Zustand: Randläsuren, Faltfalzen, sonst gut.

„1. Extra-Blatt des Casseler Tageblatt und Anzeiger. Ausgegeben Sonntag, den 22. April 1888, Vormittags 8 Uhr 15 Minuten. Charlottenburg, 21. April. Bulletin von 8 ½ Uhr Abends. Bei Sr. Maj. Dem Kaiser ist heute das Fieber etwas ermäßigt und das Allgemeinbefinden etwas besser. Mackenzie. Wagner. Krause. Hovell. Leyden. Berlin, 21. April. Bei dem Kaiser ist das Fieber im Laufe des Tages heruntergegangen, indesson doch noch ununterbrochen andauernd. Der Appetit war etwas reger. Der Kaiser fühlte sich etwas wohler, die Absonderung war geringer. Beschwerden oder Schmerzen sind wie während des ganzen Krankheitsverlaufs auch jetzt nicht vorhanden. Schluckbeschwerden sind ganz frei, die Athmung ist unbehindert. Die geistige Klarheit sowie die Arbeitslust des Kaisers sind ungeschwächt. Bezüglich der angeblichen Aeusserung des Kaisers gegenüber dem Feldmarschall Blumenthal: ‚Lieber Blumenthal, es ist fast nicht mehr zu ertragen!‘ wird von bestunterreichteter Seite versichert, daß dieselbe völlig erfunden sei. Unter Hinweis auf die seltene Standhaftigkeuit des Kaisers werden die erschütternden Worte mitgetheilt, welche der Kaiser kürzlich dem Kronprinzen auf ein Blatt Papier geschrieben habe: ‚Lerne leiden ohne zu klagen, das ist das Einzige, was ich Dich lehren kann!‘ ... Der Reichsanzeiger meldet, Se. Majestät der Kaiser empfing heute Vormittag den General von Winterfeld zum Vortrage ... Um2 ½ Uhr kam die Kronprinzessin, um 4¼ Uhr Fürst Bismarck und bald darauf der Kronprinz. Letzterer verließ das Schloß bald wieder. Fürst Bismarck blieb bis 5¾ Uhr. ... Wie verlautet, soll dem Kronprinzen die Stellvertretung des Kaisers jetzt in erweitertem Umfange übertragen worden sein. Der Reichskanzler hatte am Vormittag wieder einen längeren Vortrag beim Kronprinzen. Für die Redaction verantwortlich: Adolf Gotthelft, Druck und Verlag von Gebrüder Gotthelft in Kassel.“

 


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