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ArtikelNr. 03220
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Kleines Konvolut von militärischen Schriftstücken 1941-1945, aus dem Nachlass eines Mannes, der 1945 aus britischer Kriegsgefangenschaft entlassen wurde. Die Dokumente fanden sich in einem Schnellhefter und sind gelocht.

- „Oberkommando der Wehrmacht. .... Berlin den 24. Juli 1940. Merkblatt für zur Entlassung kommende Soldaten.“ 8°, 4 Seiten - das Stück war im Kriege in Benutzung, stockfleckig, Randläsuren, Falzen. Das Merkblatt wurde an die nach dem Frankreichfeldzug zu entlassenden Soldaten ausgehändigt „im Interesse einer reibungslosen Überführung der Soldaten in den Zivilberuf“. Im einleitenden Teil des Textes heißt es: „In einem gewaltigen Siegeszug habt ihr für Führer, Volk und Vaterland einen geschichtlichen Sieg von einmaliger Größe errungen. .... Das Reich bewilligt den aus der Wehrmacht ausscheidenden Soldaten eine besondere Erholungszeit. Sie soll in erster Linie der Entspannung dienen. Benutzt sie, um im Kreise der Familie das große Erleben des Krieges noch einmal an euch vorüberziehen zu lassen. ... Geht [später] wieder hinein in Eure Ortsgruppe, in Euren Sturm, in Eure Einheit, in der ihr vor dem Kriege eure Pflichten getan habt. Übernehmt wieder freudig eure Aufgaben. Der Führer braucht hier seine alten Soldaten. ...“. Die folgenden 3 Seiten behandeln „Einzelheiten für die Entlassung“ wie Abfindung, Mitnahme von Wehrmachtseigentum, Meldepflicht etc.

- „Landesschützenbataillon 422. Ludwigsburg, im August 1941 [darüber durchgestrichen „Waiblingen im Frühjahr 1941“]. Bataillonsbefehl. In diesen Tagen verlassen uns viele Kameraden, die dem Bataillon schon lange, teilweise seit der Gründung angehört haben. Wir alle bedauern diese Trennung. Ich danke den Scheidenden für ihre bewiesene Einsatzbereitschaft und wünsche ihnen im Namen des ganzen Bataillons alles Gute. Wir hoffen, daß auch sie ihre Kameraden von den Landesschützen nicht vergessen. Die Ausscheidenden kommen zu den Ersatztruppen des Feldheeres, wo neue, wichtige Aufgaben auf sie warten. Jeder wird da, wo er hingestellt wird, seine Pflicht für Führer, Volk und Vaterland tun! Auf Wiedersehen nach dem Sieg! Gez. Dr. Dopffek, Major [deneben durchgestrichen „Hauptmann“] und Bataillonskommandeur“. 1 gedrucktes Blatt, 20x15cm, mittige Falz, etwas fleckig.

- 21 Army Group Form 105. Merkblatt für zur Landarbeit entlassene deutsche Kriegsgefangene. Amtlich. Herausgegeben von der alliierten Militärbehörde [Druck 6/1945]. 12°, 4 kartonstarke Seiten – stockfleckig, minimal falzig, ein Stiftstrich; sonst gut. Das bemerkenswerte Dokument wurde wohl von britischen Behörden gedruckt. Die Seiten 2 und 3 bringen moralische Verlautbarungen, S. 4 detaillierte Anweisungen. Der Text beginnt mit einem Churchill-Zitat vom 18.1.1945: „Wir rotten keine Nationen aus, wir schlachten keine Völker hin“. Im Kapitel „Totale Niederlage“ heißt es: „Deutschland ist vernichtend geschlagen – militärisch, politisch und sozial. Die Tatsachen stehen euch vor Augen. Die deutsche Wehrmacht existiert nicht mehr. Ebensowenig gibt es eine deutsche Regierung. Deutsche Familien sind in alle Winde verstreut. Eure Städte liegen in Trümmern. .... Das alles hat Deutschland und ihr der Überheblichkeit, der Habgier und der Grausamkeit eurer Führer zu verdanken. Millionen haben unter der deutschen Knute gelitten. Um der Welt anständige Lebensbedingungen zu erhalten, sammelten die Vereinten Nationen ihre Kräfte und zerstörten die deutsche Tyrannei. ... Ihr alle seid mitschuldig an dem, was geschah. Ihr alle werdet dafür zu büssen haben. Das Leid, das ihr jetzt und in der Zukunft zu tragen haben werdet, habt ihr euch selbst zuzuschreiben. .....“ Zitate aus dem Kapitel „Selbsthilfe“: „Ihr werdet aus der Kriegsgefangenschaft entlassen, um lebensnotwendige Arbeit für Deutschlands Zukunft zu leiste: um Nahrung zu beschaffen. Deutschland hat die besetzten Länder Europas geplündert und ihrer Nahrungsmittel beraubt. Allein in Holland sind in diesem Frühjahr Tausende des Hungertodes gestorben. Jetz habt ihr, die Deutschen, euer eigenes Problem zu lösen. Die Vereinten Nationen haben nicht die Absicht, Nahrungsmittel für deutschen Verbrauch nach Deutschland einzuführen. ... Ihr werdet entlassen, um diese Arbeit [landwirtschaftliche Tätigkeiten] zu verreichten. Wenn ihr diese Aufgabe nicht vollständig erfüllt und dafür nicht eure ganze Arbeitskraft einsetzt, werdet ihr und eure Landsleute im kommenden Winter verhungern“. Auf S. 4 finden sich dann detaillierte Angaben zum Verhalten nach der Entlassung: „ ... Um der Uniform, die Sie behalten, einen völlig zivilen Charakter zu verleihen, sind alle Abzeichen (einschließlich Dienstgradabzeichen, und geprägten Knöpfen), Hoheitsabzeichen, Kokarden und jedwede nationalsozialistischen Plaketrten, Orden und Ehrenzeichen abzugeben. .... Sie werden mit Kraftfahrzeug bis zur Hauptstadt ihres Landkreises gebracht werden, wo sie sich beim Landrat melden und ihre Lebensmittelkarte erhalten. Der Landrat wird Ihnen Anweisung geben, wo sie sich zur Arbeit zu melden haben. ... Wer seinen Arbeitsort ohne ausdrücklichen Befehl verlässt, macht sich strafbar. Sie werden sich in bestimmten Zeitabständen beim Landrat zu melden haben“.

- „Korpsgruppe von Stockhausen. Entlassungs-Sammelgruppe 8, den 4.8.1945. ... Bestätigung (gültig nur in Verbindung mit den Entlassungspapieren). Der Uffz. Link hat Rechtsanspruch auf ... Wehrsold nach Wehrsoldgruppe 14 für die Zeit vom 1. bis 31. August 1945. .... Bisherige Standortgebührnisstelle: Hannover ....“. Teils per Hand ausgefüllte Bestätigung, Dienststempel fehlt, Unterschrift des Stabsintendanten. Quer 8°, 1 Blatt – falzig, etwas fleckig.


Im Schnellhefter eingelegt fand sich des Weiteren ein (nicht gelochter) maschinenschriftlicher Brief (4°, 1 Blatt, einseitig beschrieben, nicht handschr. unterzeichnet, etwas randfalzig, lericht fleckig): „Ackermann, Oblt., ... Im Felde, 29. Juni 1941. Hochverehrter Herr Vornberger! Als Kp.Chef Ihres Sohnes habe ich die traurige Aufgabe, Ihnen den Tod ihres Sohnes Albrecht mitzuteilen. Er fiel am 27.6.1941 um 15 Uhr beim Angriff eines von den Russen stark besetzten Dorfes. .... Mich und meine Kompanie trifft dieser für uns unersetzliche Verlust gleich schwer. Er war mein bester Zugführer. ... Seit etwas 2 Stunden nach Kriegsbeginn kämpften wir Seite an Seite nebeneinander in einer Vorausabteilung. ...... Bei dem Ort handelt es sich um ein kleines Dorf namens Zubki an der Bahnlinie Bialystock-Wolkroysk. Uns gegenüber befand sich eine etwas dreifache Übermacht, deren Azsbruchsversuche wir erfolgreich abwehren konnten. Ihr Sohn riss in mutiger Entschlossenheit ein Geschütz seines Zuges persönlich vor, um einen Gegenstoss der Russen abzuwehren. Dabei ereilte ihn der Tod. .... Ich hoffe, Ihnen später noch weitere Angaben machen zu können, da ich gleichfalls in München wohne. .... Wir werden unseren Lt. [Leutnant] Vornberger nie vergessen. Ihr Ackermann“.

 


(c) Ingo Hugger  2009 | livre@cassiodor.com | Artikel |  RSS