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Jahr: 1934-37
Bemerkung:
ArtikelNr. 02670
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Die Bauernpost. Wirtschaftlich unabhängige, vierzehntägliche Zeitungs-Korrespondenz zur Hebung des Bauernstandes, Pflege der Dorfkultur und Überbrückung der Kluft zwischen Stadt und Land. [In Heft 1 liest sich der Untertitel noch folgend: „Unabhängige Zeitungs-Korrespondenz zur Hebung des Bauernstandes, Pflege der Dorfkultur und Überbrückung der Kluft zwischen Stadt und Land“]. Die Mitarbeiter: Landwirtschaftliche Lehrkräfte, Fachberaterinnen für bäuerliche Hauswirtschaft, Agrar- und Forstwissenschaftler, praktische Landwirte, Volksvertreter, Juristen, Ärzte, Geistliche und Vertreter aller Stände, die Beziehungen zum Bauerntum unterhalten. Schriftleitung: Diplomlandwirt Hans Zimmermann, München [Heft 1 leitete noch: „Diplomlandwirt Hermann Renk, Hauptmann a.D.“]. Herausgeber: Verlagsdirektor Max Grieshaber, Augsburg. Anschrift: „Die Bauernpost“, Augsburg 6. [In separatem Kasten heißt es noch]: „Die Bauernpost bringt nur Originalbeiträge von führenden Persönlichkeiten, die mit Wesen, Wert und Art des deutschen Bauerntums verankert sind – Vierwöchentliche Kündigung zum 1. eines jeden Monats“.

4 Leinwandmappen mit lose eingelegten hektographierten Blättern, die heftweise mit Klammern verbunden sind. Die Mappen enthalten 72 (von 96) „Heften“ der Jahre 1934, 1935, 1936 und 1937. Ab der Ausgabe 15. März 1935 findet sich noch der Vermerk „3. Jahrgang“ (später „4. Jahrgang“ etc.) über der Datumsangabe - das Periodikum erschien also erstmals am 1.4.1933. Pro Monat erschienen 2 Ausgaben der Bauernpost (jeweils am 1. und am 15.). Hier besteht jede Ausgabe aus ca. 16 einseitig bedruckten Blatt ohne jegliche Abbildungen. Denkbar ist, daß die vorliegenden Hefte die der Schriftleitung vom Verlag vorgelegten Kontrollexemplare darstellen, die erst abgesegnet werden mussten, bevor die Bauernpost (mit Abbildungen und Annoncen?) in den Druck ging.

Als Autoren fungieren u.a.: Landgerichtsrat Fritz Thier, ein gewisser „Rustikus“ (auch „Rusticus“), Hans Zimmermann, Max Grieshaber, Franz Loder, H.Z. Ehrmann. Die Artikel besprechen nur Themen, die für einen Bauern bzw. eine Bäuerin von Wichtigkeit waren. Zumeist geht es um Fragen von Anbau, Ernte, Schädlingen, Vieh und deren Zucht und Haltung, Weinbau, Gesundheit und Krankheiten u.ä., bisweilen auch um juristische Probleme (Erbhofgesetz), manchmal wird NS-Ideologie verbreitet. Über den Artikeln findet sich gewöhnlich der Satz „Nachdruck verboten“.

Im Karlsruher Virtuellen Katalog (KVK), der ja mittlerweile einen Gutteil der Bestände der bedeutenden Bibliotheken des deutschsprachigen Raumes zusammenfasst, fanden sich keinerlei Hinweise auf die Zeitschrift. Dies ist rätselhaft, denn es wäre sehr verwunderlich, wenn kein Exemplar seinen Weg in eine dieser Bibliotheken geschafft hätte. Undenkbar ist es geradezu, daß die Bayerische Staatsbibliothek, die seit mehr als einem Jahrhundert jegliches in Bayern erschienene Druckwerk zu archivieren trachtet, nichts von der Existenz der „Bauernpost“ erfahren hätte! Das Rätsel der bibliographischen Nichtnachweisbarkeit der Zeitschrift kann leider hier nicht gelöst werden!

Der Bestand fand sich im Nachlass des Schriftleiters Hans Zimmermann. Über diesen ist nur bekannt, daß er in München und Landshut lebte und um 1943 unter geheimnisvollen Umständen in Warschau (wohl als Mitarbeiter des dortigen deutschen Besatzungstruppen) ums Leben kam. Zimmermann scheint von April 1934 bis Ende 1937 bei der Zeitschrift gearbeitet zu haben.

Zustand: Einige Ausgaben mit Falzen oder minimen Randläsuren, einige Hefte mit handschr. Anmerkungen Zimmermanns, sonst gut.

Bemerkenswert ist an dem Bestand, daß er einen recht ungefilterten Einblick in die Denkungsart der damaligen Landwirte gibt. NS-Propaganda scheint eher zweitrangig, das Erbhofgesetz dagegen von unbedingter Wichtigkeit gewesen zu sein!

Mappe 1, 1934, 19 Ausgaben (von 24, fehlen alle Nummern bis 1.4. außer 1.3.).
Genannt seien hier einige Artikel, deren Inhalte aus der langen Reihe der „landwirtschaftlichen“ Themen hervorstechen: Erbhofrecht und Testament, Schuldenhaftung in der Bauernehe, Das Wort des Bauernführers, Ist das Erbhofgesetz ungerecht?, Die Bäuerin in der Geschichte, Wer ist bauernfähig?, Der Kredit des Bauern, Deutsches Bodenrecht, Bauernkind und Alkohol, Der deutsche Bauer rettet Europa, Landvolk und Recht, Pfändung im Erbhofgesetz, Der Bauer im Rohstofffeldzug, Landwirtschaft und Arbeitsdienst, Feierliche Einsetzung des Erbhofbauern, Bauersfrau und Erbhofrecht.

Mappe 2, 1935, 23 Hefte. Die Ausgabe 1.10.1935 fehlt, sonst komplett. Genannt seien hier einige Artikel, deren Inhalte aus der langen Reihe der „landwirtschaftlichen“ Themen hervorstechen: Gefahren der Erzeugungsschlacht, Genossenschaften und Erbhofkredit, Schuldenregelung neugeordnet, Der Kredit des Erbhofbauern, Der Appell von Goslar, Planmässig wirtschaftend.

Mappe 3, 1936, 17 Hefte (von 24, fehlen 15.4., 1.5., 15.6., 15.7., 1.8., 15.10., 1.11.). Genannt seien hier einige Artikel, deren Inhalte aus der langen Reihe der „landwirtschaftlichen“ Themen hervorstechen: Raum für Bauernsiedler, Deutsche Bauernpolitik als Vorbild, Stand Boden und Markt, Der bäuerliche Stammbaum, Die Schau des Nährstandes [in Frankfurt a.M.], Kein künstliches Brauchtum, Die weichenden Erben, Wann regelt das Anerbengericht die Erbfolge?, Vierjahresplan und Landwirtschaft, Kampf der Bodenspekulation, Das Ergebnis von Goslar,

Mappe 4, 1937, 14 Hefte (von 24, fehlen 1.3., 1.4., 1.5., 15.5., 15.6., 15.7., 1.8., 15.8., 1.9., 15.9.). Genannt seien hier einige Artikel, deren Inhalte aus der langen Reihe der „landwirtschaftlichen“ Themen hervorstechen: Ausbau des Erbhofrechtes, Nach vier Jahren Bauernpolitik, Rundfunk für den Bauern, Die 4. Reichsnährstandsschau eröffnet, In den Schlingen der Wucherjuden, Bauer und Volksgemeinschaft.

 


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